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E-Fahrzeuge: Wie die Innenraumbeleuchtung die Reichweite verlängert

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Heizen und Kühlen kostet viel Energie. Im E-Fahrzeug kann diese sinnvoller eingesetzt werden, findet Ford und testet einen psychologischen Trick zur Lösung des Temperaturproblems.

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Heizen und die Nutzung der Klimaanlage kosten beim Elektroautofahren Reichweite. Vor allem in den großen Innenräumen von Kleinbussen und Transportern.
Heizen und die Nutzung der Klimaanlage kosten beim Elektroautofahren Reichweite. Vor allem in den großen Innenräumen von Kleinbussen und Transportern.
(Bild: Ford)

Elektrofahrzeuge, insbesondere wenn es sich um Mini-Busse mit ihren vergleichsweise großen Fahrzeug-Innenräumen handelt, benötigen viel Energie, um das Cockpit zu beheizen beziehungsweise zu kühlen. Dieser Energieverbrauch geht in der Regel zu Lasten der Reichweite des Elektrofahrzeugs. So haben Untersuchungen des National Renewable Energy Laboratory in den USA gezeigt, dass die Kühlung beziehungsweise die Beheizung eines batterieelektrischen Fahrzeugs seine Reichweite um bis zu 50 Prozent reduzieren kann.

Ford untersucht in Köln daher, wie die Innenraum-Beleuchtung die Reichweite eines Elektroautos mittelbar verbessern kann: Der „Ford Transit Smart Energy Concept“ passt den Farbton der Innenraum-Beleuchtung der aktuellen Kabinen-Temperatur an. So wählt die Elektronik blaues Licht, sobald die Klimaanlage kühlt, und rotes Licht bei laufender Heizung. Diese variable Beleuchtung soll das Temperatur-Empfinden der Passagiere im Unterbewusstsein beeinflussen: rotes Licht suggeriert wohlige Wärme, blaues Licht suggeriert angenehme Kälte.

Der Clou: Es lässt sich nachweisen, dass die Passagiere aufgrund dieser Lichteffekte die Klimatisierung oder eben die Beheizung weniger nutzen und der Einfluss des Lichts somit einen Beitrag zur Reichweiten-Verbesserung leisten kann. „Farben haben einen vielfältigen Einfluss auf unsere Stimmung. Deshalb nutzen wir zu Testzwecken eine rote Beleuchtung im Fahrzeug-Innenraum, damit die Menschen ein buchstäblich wärmeres Gefühl verspüren und eine blaue Beleuchtung für einen kühlenden Effekt“, sagt Lioba Müller, Engineer, Vehicle Architecture, Ford of Europe. „Insbesondere die verringerte Nutzung der Klimaanlage könnte einen wesentlichen Unterschied ausmachen bei der Erhöhung der Fahrzeugreichweite“.

Ford-Ingenieure testeten das Konzeptfahrzeug im Klima-Windkanal am Kölner Standort. Dabei konnte der Fahrer den jeweiligen Temperaturstatus aller Beifahrersitze von einem Mittelkonsolen-Bildschirm aus überwachen. Passagiere wurden einem simulierten Wintertag von 0° C und einem Sommertag von 30° C ausgesetzt. Sie wurden gebeten, den gefühlten Komfort zu bewerten, also zum Beispiel, ob ihnen im Versuchsverlauf zu heiß oder zu kalt war. Im Testverlauf führte die farblich angepasste Ambiente-Beleuchtung zu einer Reduzierung des Energieverbrauchs um 3,3 Prozent bei der Kühlung und um 2,5 Prozent beim Betrieb der Heizung. Das Licht ist somit ein, wenn auch möglicherweise eher kleinerer Hebel zur Reichweiten-Maximierung elektrifizierter Fahrzeuge.

Weitere Einsparungen erhofft sich der Autohersteller von einer Wärmepumpe für das Heizen, einer nur zur Hälfte öffnenden Schiebetür, die weniger temperierte Luft nach außen lässt, sowie von einer verbesserten Isolierung von Fenstern, Boden und Dach. Erste Testfahrten mit dem effizienten Elektro-Bus sollen noch in diesem Jahr starten.

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