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E-Bus-Radar – Transformationsdruck im ÖPNV steigt

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Einige Kommunen zögern noch mit Investitionen in die Flottenelektrifizierung, weil noch nicht klar ist, welche Technologie sich durchsetzen wird.
Einige Kommunen zögern noch mit Investitionen in die Flottenelektrifizierung, weil noch nicht klar ist, welche Technologie sich durchsetzen wird. (Bild: Daimler)

Einer der Schlüsselfaktoren für das Erreichen der Klimaschutzziele ist ein starker ÖPNV. Damit die Mobilitätswende in Deutschland gelingt, sind ein weiterer ÖPNV-Ausbau und die Umstellung auf emissionsfrei betriebene Busflotten elementar. Doch nehmen die Städte diese Verantwortung auch wirklich wahr?

Die Anzahl der elektrifizierten Busse auf deutschen Straßen ist im Vergleich zur Erhebung ein Jahr zuvor um 38 Prozent auf 838 gestiegen. Davon fahren 593 Busse mit einem Hybridantrieb (plus 41 Prozent im Vergleich zu 2018), während 245 Busse ausschließlich elektrisch angetrieben werden (plus 32 Prozent ggü. 2018). Das stärkste Wachstum ist bei batterieelektrischen Bussen zu beobachten, von denen mittlerweile 154 Busse in Betrieb sind (plus 56 Prozent). Zudem sind in Deutschland 75 Oberleitungsbusse (unverändert) und 16 Elektrobusse mit Brennstoffzellenantrieb unterwegs (plus 33 Prozent ggü. 2018).

Rainer Bernnat, Leiter des Bereichs Öffentlicher Sektor bei PwC Deutschland, sagt: „Der politische Druck, insbesondere von der Europäischen Union, spiegelt sich bisher kaum in den Ist-Zahlen wider. Die Zuwächse reichen noch längst nicht aus, um die Forderungen der Politik zu erfüllen. Dafür müssen deutlich mehr Busse mit alternativen Antrieben auf die Straßen – und zwar in allen Bundesländern.“

Sieben Bundesländer sind den anderen bisher deutlich voraus: Nordrhein-Westfalen (264 elektrifizierte Busse), Niedersachsen (136), Baden-Württemberg (96), Hamburg (86), Schleswig-Holstein (62), Bayern (59) und Sachsen (55). Sie vereinen also 90 Prozent der elektrifizierten ÖPNV-Busflotte in Deutschland auf sich. Die Top-6-Städte mit Hybrid-Bussen auf den Straßen sind Hannover (77), Hamburg (63), Essen (45), Kiel (30), Augsburg und Stuttgart (je 28).

EU-Vorgabe für Beschaffungsquoten setzt den ÖPNV unter Druck

Die Gesamtheit der städtischen Zukunftsplanungen signalisiert, dass die E-Bus-Zahlen deutlich steigen werden: Für die kommenden fünf Jahre planen die Kommunen die Anschaffung von mehr als 2.255 E-Bussen (2018: rund 1.000), davon 83 mit Brennstoffzellenantrieb (2018: 51). Insgesamt liegen die öffentlich bekannten Planungen derzeit bei 4.636 anzuschaffenden, elektrisch angetriebenen Bussen (2018: 3.243).

Hansjörg Arnold, Leiter des Bereichs Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland, analysiert: „Was auf den ersten Blick vielversprechend aussieht, reicht der Politik nicht: Die kürzlich abgeschlossene Aktualisierung der Clean Vehicles Directive der EU beinhaltet verbindliche Beschaffungsquoten für saubere Busse bei öffentlichen Aufträgen.“

Diese erreichten die meisten deutschen ÖPNV-Unternehmen mit ihren Planungen jedoch noch lange nicht. Zudem müssten die Hersteller die gewünschten Stückzahlen dann auch liefern können.

Hohe Planungs- und Finanzierungsunsicherheiten beim ÖPNV

ÖPNV-spezifische Gründe für den Rückstand zu den EU-Forderungen sind beispielweise Probleme der Unternehmen, die Elektrifizierung der Busflotten finanziell zuverlässig zu planen und umzusetzen. Schließlich sind E-Busse immer noch etwa doppelt so teuer wie Dieselmodelle. Hinzu kommen hohe Infrastrukturinvestitionen – trotz staatlicher Förderungen. Lademöglichkeiten müssen geschaffen und Betriebshöfe sowie Werkstätten umgerüstet werden.

Einige Kommunen zögern noch mit Investitionen in die Flottenelektrifizierung, weil noch nicht klar ist, welche Technologie sich durchsetzen wird. Aktuell sind bei E-Bussen batterieelektrische Busse, die per Plug-in-System geladen werden (66 Prozent), am weitesten verbreitet, gefolgt von der Ladung per Docking-System (26 Prozent) und Induktion (8 Prozent). Dabei ist aktuell bei der Wahl der Ladestrategie noch keine klare Tendenz zu erkennen: Je zur Hälfte erfolgt eine Zwischenladung auf der Strecke (51 Prozent) oder ein Vollladen im Depot (49 Prozent). Weiterhin bestehen auch wirtschaftliche Unsicherheiten bezüglich der Lebenszykluskosten und Nutzungsdauern von E-Bussen.

Vier Städte mit großen E-Bus-Bestellungen

Diverse Städte setzen zur elektrifizierten Aufholjagd an, wie die jüngsten Bestellungen zeigen. Vier aktuelle Beispiele für anstehende Beschaffungen von E-Bussen:

  • Die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) hat den bisher größten Einzelauftrag dieses Jahres für Elektrobusse an Solaris vergeben: 90 batteriebetriebene Solobusse vom Typ Urbino 12 electric.
  • Die Wiesbadener ESWE hat 56 batteriebetriebene eCitaro-Busse bei Mercedes-Benz geordert.
  • Die Stadtwerke Osnabrück (SWO) haben weitere 49 batteriebetriebene Gelenkbusse bei VDL bestellt.
  • Die ÜSTRA in Hannover lässt sich 30 batteriebetriebene Solo- und 18 Gelenkbusse von Mercedes-Benz liefern.

Die aktuellen Top-6-Städte bei rein elektrisch angetriebenen Bussen sind Solingen (54), Hamburg (23), Osnabrück (15), Münster (12) und Berlin und Eberswalde (jeweils 11). Der Marktführer bei Stadtbussen mit Verbrennungsmotor, Mercedes-Benz, liefert seit November 2018 auch rein elektrisch angetriebene Busse aus. Marktführer in diesem Segment ist aktuell Solaris – mit über 60 in Deutschland eingesetzten E-Bussen aber noch auf einem überschaubaren Niveau. PwC-Experte Arnold bilanziert: „Das Wachstum bei elektrischen Busantrieben wird sich nicht auf die Zahlen unseres E-Bus-Radars beschränken. Ein Großteil der Vergaben steht noch aus und viele Städte entwickeln aktuell Konzepte zur weiteren Flottenelektrifizierung. Der Markt für alternative Busantriebe wird auch daher erheblich zulegen.“

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Stadtbusse in Deutschland sind zwischen 12-15 Jahren im Einsatz und gehen dann in den Zweitmarkt...  lesen
posted am 11.09.2019 um 17:53 von Unregistriert


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