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E-Auto-Crowdfunding – Kluft zwischen Anspruch und Realität?

| Autor/ Redakteur: Mario Hommen / Benjamin Kirchbeck

Immer wieder liest man von ihnen: Start-ups, die mit viel Tamtam um Investorengelder buhlen, um neue E-Auto-Projekte zu realisieren. Ein Unterfangen mit nicht unerheblichem Risiko – vor allem für die Investorenseite. Doch der kometenhafte Aufstieg des einstigen Start-ups Tesla hat wohl vielen das trügerische Gefühl vermittelt: Alles ist möglich.

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Das mit viel 50er-Jahre-Charme gesegnete
Das mit viel 50er-Jahre-Charme gesegnete "Dreirad" von Nobe ist bereits zu Preisen ab 37.000 Euro bestellbar. 2020 will man liefern.
(Bild: Nobe)

Seit rund 10 Jahren ist es in Mode, auf Online-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo neue Produktideen anzupreisen und dort für einen Produktionsstart erforderliche Investments zu sammeln. Crowdfunding heißt die junge Form der Finanzierung, die schon für manche Erfolgsgeschichte aber auch für einige Flops und entsprechend frustrierte Investoren sorgte. Nicht ohne Risiko erscheint speziell auch die Investition in ein komplexes Industrieprodukt wie dem Elektroauto.

Doch Teslas Erfolgsgeschichte hat mittlerweile auch einige Umtriebige dazu bewogen, per Crowdfunding um Investments für neue Elektroautomarken zu buhlen. Oft wird mit Euphorie gestartet, dann wird es ruhiger, manchmal sogar still. Doch einigen dieser E-Auto-Start-ups könnte ein Durchbruch gelingen. In den meisten Fällen müssen Kunden und Finanziers allerdings Geduld mitbringen, denn die endgültige Markteinführung zieht sich in die Länge.

Ein Leuchtturm namens Sono Motors

Das trifft unter anderem auf das 2016 in München initiierte E-Auto-Projekt Sion des Start-ups Sono Motors zu. Es gehört eindeutig zu den Leuchtturmprojekten innerhalb der E-Auto-Crowdfunding-Szene. Die ursprüngliche Idee war die Produktion eines lediglich 12.000 Euro teuren Vans mit eingebauter Photovoltaikanlage, die sogar einen von Ladeinfrastruktur unabhängigen Betrieb erlauben soll. Dieses Konzept generierte per Crowdfunding einen sechsstelligen Betrag, der 2017 die Präsentation eines Prototypen und sogar erste Testfahrten erlaubte.

Seither wurde kräftig weiterentwickelt und leider auch an der Preisschraube gedreht. Mit einer Batterie wird der Van nach letzten Informationen mindestens 25.500 Euro kosten. Die jüngsten Bilder der endgültigen Serienversion scheinen jedoch vielversprechend. Gleiches trifft auf die Partner zu, denn unter anderem Bosch und Continental sind in dem Projekt involviert.

In den ehemaligen Saab-Werken in Trollhättan soll nächstes Jahr der Sion von Sono Motors in Serie gebaut werden.
In den ehemaligen Saab-Werken in Trollhättan soll nächstes Jahr der Sion von Sono Motors in Serie gebaut werden.
(Bild: Sono Motors)

Auch die Frage des Produktionsstandorts ist geklärt: Im ehemaligen Saab-Werk im schwedischen Trollhättan, das heute der Firma NEVS gehört, sollen die Sion in größerer Stückzahl vom Band laufen. Immerhin gibt es einiges abzuarbeiten, denn über 10.000 Reservierungen sollen bereits vorliegen. Die potenziellen Käufer müssen sich allerdings noch ein wenig gedulden, denn der zwischenzeitlich für 2019 angekündigte Marktstarttermin wurde mittlerweile auf die zweite Hälfte 2020 verschoben.

Uniti-Produktion startet noch 2019

Apropos Schweden: Hier deutet sich eine weitere erfolgversprechende Crowdfunding-Geschichte an. Uniti heißt das junge Projekt, welches den Bau eines besonders effizienten und in mehrfacher Hinsicht technisch fortschrittlichen Elektro-Kleinstwagens anstrebt. Die Idee des One hat derart begeistert, dass beim Crowdfunden ein Millionenbetrag zusammenkam. Diese Summe stattete das aus einem Universitätsprojekt entstandene Start-up mit den zur Entwicklung von Prototypen nötigen Ressourcen aus.

Der Serienstart des Uniti One wurde bereits für dieses Jahr angekündigt.
Der Serienstart des Uniti One wurde bereits für dieses Jahr angekündigt.
(Bild: Uniti)

Zudem engagieren sich mittlerweile Industriegrößen wie Siemens, E-On oder Kuka an Uniti. Mit der Produktion des zwischen 15.000 und 20.000 Euro teuren Zweisitzers will man noch dieses Jahr starten. Eine Pilotfabrik soll im englischen Silverstone entstehen. Der One soll weiterhin in Australien und Indien in lizenzierten Fabriken gebaut werden.

Leichtbau-Alternative für 150.000 Euro ab 2021

Wie Uniti ist auch das E-Auto-Start-up Lightyear in einem universitären Umfeld, in diesem Fall in dem der holländischen TU Eindhoven, entstanden. Bei den ebenfalls One genannten Elektroauto handelt es sich anders als bei Uniti um eine große, über fünf Meter lange Limousine, die sich dank Leichtbau, Aerodynamikdesign und in der Außenhaut integrierten Solarzellen mit besonders niedrigem Verbrauch und sogar autark und unabhängig von Ladeinfrastruktur fahren lässt. Diese Idee kam bei Investoren an und spülte per Crowdfunding mehr als fünf Millionen Euro in die Kriegskasse des jungen Unternehmens.

Mehrere Millionen Euro hat das Start-up Lightyear eingesammelt. 2021 soll der One auf den Markt kommen.
Mehrere Millionen Euro hat das Start-up Lightyear eingesammelt. 2021 soll der One auf den Markt kommen.
(Bild: Lightyear)

Mittlerweile gibt es einen seriennahen Prototypen sowie konkrete Pläne für den Aufbau eines Werks auf dem Automotive Campus im niederländischen Helmond. Diese Fabrik dürfte allerdings nur bescheidene Stückzahlen erlauben, was angesichts eines Kaufpreises von rund 150.000 Euro für den One auch der richtige Ansatz ist. 2021, so die erst wenige Wochen alte Ankündigung, gehen erste Fahrzeuge in Kundenhand über.

50er-Jahre-Charme im Elektrodreirad

Ganz ohne besondere technische Errungenschaften hat in jüngster Zeit das E-Auto-Start-up Nobe aus Estland von sich Reden gemacht. Hier steht vor allem das charmante Retrodesign im Vordergrund, welches ebenfalls 2018 in einer ersten Finanzierungsrunde das Start-up mit den Mitteln ausgestattet hat, Prototypen zu bauen, welche man unter anderem im Frühjahr 2019 auf dem Genfer Autosalon bewundern konnte.

Mittlerweile lädt Nobe Interessenten nach Tallin zu Probefahrten mit dem 100 genannten Elektrodreirad ein. Außerdem ist das mit viel 50er-Jahre-Charme gesegnete Auto zu Preisen ab rund 37.000 Euro bereits bestellbar. 2020 will man liefern. Aktuell hat das junge Unternehmen eine weitere Crowdfunding-Initiative ins Leben gerufen, um das für den Bau einer Produktionsstätte nötige Geld zusammenzutragen.

Am Scheideweg

Es gibt noch eine Reihe weiterer E-Auto-Projekte, bei denen online um Investorengeld gebuhlt wurde, bei denen der Durchbruch zum tatsächlichen Serienbau allerdings auf sich warten lässt. Um Start-ups wie Sondors, Eli, Alcraft, iEVX oder Absolute Design ist es jedenfalls verdächtig ruhig geworden. Doch in manchem schon totgeglaubten Projekt steckt oft noch Leben. Das trifft zum Beispiel auf die finnische Firma Toriodion zu, die vor etlichen Jahren mit dem unfassbar schnellen Sportwagen 1MW von sich reden machte. Immerhin wurde ein echtes und sehenswertes Auto vorgestellt, welches nach ersten Plänen schon 2018 auf den Markt kommen sollte.

Ursprünglich wurde der E-Sportwagen 1MW für 2018 angekündigt. Jüngsten Informationen will Toroidion den Megawatt-Sportler 2020 auf den Markt bringen.
Ursprünglich wurde der E-Sportwagen 1MW für 2018 angekündigt. Jüngsten Informationen will Toroidion den Megawatt-Sportler 2020 auf den Markt bringen.
(Bild: Toroidion)

Wie so oft, tauchten auch hier während der Entwicklung Probleme auf, die Gift für ambitionierte Zeitpläne sind. Das Geld wird meist ebenfalls knapp. Wie die Onlineausgabe der finnischen Fernsehanstalt Yle berichtet, wurde im Sommer 2019 eine erneute Finanzierungsrunde eingeläutet, um Entwicklung und Start einer Serienproduktion zu beschleunigen. Der Finne Pasi Pennanen will jedenfalls seinen 1MW ab 2020 in Serie fertigen.

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