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Digitalisierung von Nutzfahrzeugen: Vernetzung für neue Dienste

| Autor/ Redakteur: Michael Gebhardt / Benjamin Kirchbeck

Während bei Autos Komfort-Funktionen im Mittelpunkt stehen, gelten für den Transportsektor andere Voraussetzungen. Hier gilt es vor allem die Kosten zu senken, Zeit einzusparen und die Flexibilität zu erhöhen. Mercedes hat nun neue Tools und Services vorgestellt, die den gewerblichen Nutzern die Arbeit mit Vito, Sprinter und Co. erleichtern sollen.

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Der Konnektivitätsdienst Mercedes Pro, der sich vor allem an Fuhrparkmanager richtet, ermöglicht eine Vernetzung von Fahrzeugen und Fahrern.
Der Konnektivitätsdienst Mercedes Pro, der sich vor allem an Fuhrparkmanager richtet, ermöglicht eine Vernetzung von Fahrzeugen und Fahrern.
(Bild: Daimler)

Auf dem Weg zur Arbeit die Lieblingsmusik streamen, im Büro nochmal schnell am Handy schauen, ob der Wagen auch wirklich abgeschlossen ist und auf dem Heimweg den smarten Sprachassistenten nach der besten Route fragen? Die zunehmende Digitalisierung unserer Autos macht es möglich – und sie macht auch vor Nutzfahrzeugen nicht halt. Ihre Stichworte sind: Kostensenkung, Zeitersparnis und Flexibilität. Mercedes-Benz Vans, die unter anderem für Vito und Sprinter zuständige Sparte des Stuttgarter Herstellers, hat jetzt eine paar aktuelle und zukünftige Digitalisierungsmaßnahmen vorgestellt.

Nicht ganz neu ist der Konnektivitätsdienst Mercedes Pro, der sich vor allem an Fuhrparkmanager richtet und sie mit ihren Fahrzeugen und Fahrern vernetzt. Über eine Online-Plattform kann der Flottenchef unter anderem Standort, Tankfüllstand und Wartungsbedarf seiner Autos abfragen und das Laden von E-Autos planen, aber auch neue Aufträge inklusive der Adresse fürs Navi an die Fahrer senden. Und er sieht, wie die einzelnen Lenker mit Material und Kraftstoff umgehen; so lässt sich beispielsweise herausfinden, welchem Fahrer ein Spritspartraining gut tun würde. Außerdem übernimmt Mercedes Pro auf Wunsch die Fahrtenbuch-Funktion, alle Trips werden aufgezeichnet und per App kann der Fahrer finanzamtgerecht den Grund der Fahrt eingeben oder sie als privat markieren.

Die Preise richten sich je nach Funktionsumfang, für die Fahrstilanalyse etwa werden monatlich 6,60 Euro fällig, das Smartphone als Fahrzeugschlüssel kostet 2,75 Euro. Bislang haben nur die neueren Mercedes-Nutzfahrzeuge ab Mitte 2018 die Technik unterstützt, jetzt lassen sich per Adapterstecker auch Transporter bis aus dem Jahr 2004 nachrüsten. Außerdem arbeitet Mercedes daran, künftig auch Pkw in das Flottenmanagement zu integrieren. Dann sieht der Fuhrparkleiter zum Beispiel auch, wann die S-Klasse vom Chef zum Kundendienst muss.

Sämtliche Pro-Dienste hat Mercedes selbst entwickelt, künftig soll es aber auch möglich sein, in den Nutzfahrzeugen Software von Drittanbietern zu verwenden. Dazu entwickelt Daimler eine Schnittstelle, die sogenannte Onboard Logic Unit. Wie bei einem Smartphone können andere Unternehmen dann ihre Programme zum Download anbieten. Denkbar sind unter anderem Software-Lösungen für Lieferdienste, die den Kunden automatisiert über den Zustellstatus informieren oder aber spezielle Programme für den Rettungsdienst, die Patientendaten mit dem aktuellen Standort des Fahrzeuges verknüpfen und direkt an das angesteuerte Krankenhaus schicken.

Offiziell eingeführt werden soll die Schnittstelle im kommenden Jahr, Mercedes nutzt sie schon in zwei Pilotprojekten: In-Van Delivery & Return und Van2Share. Ersteres ähnelt der Möglichkeit für Privat-Kunden, sich Pakete ins Auto zustellen zu lassen. Aktuell erprobt Mercedes unter anderem mit verschiedenen Nachtkurierdiensten die Auslieferung von wichtigen Arbeitsmaterialien direkt in den Servicewagen, den der Lieferant per App öffnen kann; umgekehrt kann er Retouren gleich wieder mitnehmen. Für den Kurierfahrer hat es den Vorteil, dass er nicht an Zustellzeiten gebunden ist, keinen riesigen Schlüsselbund für diverse Lagerräume herumschleppen muss und der Monteur oder Handwerker am Morgen direkt zum Einsatzort starten kann – ohne vorherigen Umweg zur Materialbeschaffung. In Serie soll der Service ab kommendem Jahr gehen.

Van2Share erprobt Daimler dagegen schon seit ein paar Jahren und rollt den Dienst jetzt langsam aus: Unternehmen, deren Fahrzeuge von mehreren Fahrern genutzt werden, können über diese Plattform ihre Einsatzplanung vornehmen, die einzelnen Lenker per App informieren und ihnen den Zugang zum Fahrzeug ermöglichen. Außerdem werden bei Bedarf eventuell nötige Reinigungen oder das Laden von E-Autos mit eingeplant. Ob die Kunden über das Van2Share-Tool ihre Kurierflotte verwalten, einen Personen-Shuttledienst organisieren oder die Fahrzeuge an Dritte vermieten, ist freilich ihnen überlassen. Je nach Nutzerprofil wird der Service individuell angepasst, weshalb Van2Share aktuell nicht als klassische Sonderausstattung gehandelt wird, sondern für jeden Kunden ein spezielles Angebot maßgeschneidert wird; der Preis bewegt sich bei rund 30 Euro pro Fahrzeug und auch Autos anderer Marken können eingebunden werden. Neben dem eigentlichen Geschäft mit Service-Angeboten spielt Mercedes auch mit dem Gedanken, künftig auch selbst seine Vans und Nutzfahrzeuge darüber an Dritte zu vermieten – das wäre dann so etwas wie Car2Go in groß.

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