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Digital-Gipfel in Nürnberg: Forderungen, Mahnungen und neue Ideen

| Redakteur: Julia Schmidt

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte, bei der Digitalisierung die soziale Marktwirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren. „Wohlstand für alle – das muss auch die Zukunftsmelodie sein in dem Zeitalter der Digitalisierung“, sagte die CDU-Politikerin zum Abschluss des Digitalgipfels in Nürnberg am Dienstag.
Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte, bei der Digitalisierung die soziale Marktwirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren. „Wohlstand für alle – das muss auch die Zukunftsmelodie sein in dem Zeitalter der Digitalisierung“, sagte die CDU-Politikerin zum Abschluss des Digitalgipfels in Nürnberg am Dienstag. (Bild: BMWI)

Bei ihrem jährlichen Digitalgipfel fasste die Bundesregierung diesmal Künstliche Intelligenz ins Auge. Was kam dabei heraus?

Rund drei Wochen nach der Kabinettsklausur zur nationalen Digitalstrategie fand diese Woche in Nürnberg der zweitägige Digital-Gipfel der Bundesregierung. Die zwölfte Ausgabe steht unter dem Motto „Künstliche Intelligenz – ein Schlüssel für Wachstum und Wohlstand“.

Bei der Kabinettsklausur Mitte November in Potsdam hatte die Bundesregierung beschlossen, bis zum Jahr 2025 zusätzlich drei Milliarden Euro in die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) zu investieren. Unter anderem sollen 100 neue Professuren für Künstliche Intelligenz geschaffen werde. Deutschland solle einer der führenden Standorte in Forschung und Anwendung werden, hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gesagt.

Deutschland will vorn mitspielen

Auch nach Einschätzung von Kanzlerin Angela Merkel muss Deutschland eine führende Rolle bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) einnehmen. „Wenn wir (...) Wachstum haben wollen, damit auch neue Arbeitsplätze und auch Wohlstand für uns alle, dann müssen wir vorne mit dabei sein im Bereich der Künstlichen Intelligenz“, sagte Merkel am Sonntag in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. „Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung und das bedeutet, alles was digitalisierbar ist, wird auch digitalisiert werden.“

KI gilt als eine der Schlüsseltechnologien von morgen. Sie wird benötigt für selbstfahrende Autos, Roboter in der Altenpflege oder denkende und sprechende Computer. Bisher haben vor allem China und die USA in dem Bereich die Nase vorn.

Der Digitalverband hatte im Vorfeld des Gipfels Tatkraft und einen ehrgeizige Zeitplan von der Bundesregierung in Sachen KI gefordert. Die KI-Strategie sei ein Aufbruchssignal, hatte Bitkom-Präsident Achim Berg gesagt. „Jetzt müssen wir an die Arbeit gehen.“ Laut einer Bitkom-Umfrage sehen 62 Prozent der Bürger in Künstlicher Intelligenz eher eine Chance. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 48 Prozent.

Forderungen, Mahnungen und eine Kooperationsidee

Und was kam nun beim dieses Jahr beim Digitalgipfel heraus? Forderungen, Mahnungen und eine Kooperationsidee. Bundeskanzlerin Angela Merkel etwa fordert, bei der Digitalisierung die soziale Marktwirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren. „Wohlstand für alle – das muss auch die Zukunftsmelodie sein in dem Zeitalter der Digitalisierung“, sagte die CDU-Politikerin zum Abschluss des Digitalgipfels der Bundesregierung in Nürnberg am Dienstag. Digitalisierung müsse eine Erfolgsgeschichte werden, wie die soziale Marktwirtschaft es im Grunde auch war.

Neben Merkel war auch eine Reihe von Bundesministern zu dem zweitägigen Digitalgipfel (ehemals IT-Gipfel) gekommen. Schwerpunkt der zwölften Ausgabe war Künstliche Intelligenz (KI). Sie könne durch stupide Arbeiten verschwendete Lebenszeit für Kreativität aufsparen, betonte Merkel. „Eine gute Nachricht jedenfalls für die, die nicht denkfaul sind“, scherzte die Bundeskanzlerin.

„Künstliche Intelligenz verändert unsere digitale Gesellschaft immer mehr“, sagte Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD). Ihr Einsatz beeinflusse heute schon, „welche Informationen uns angezeigt werden, mit wem wir uns vernetzen und wie wir konsumieren“.

Bitkom-Präsident Achim Berg nannte Bildung, Breitbandanschlüsse und Daten als die größten Baustellen bei KI. „Wenn wir das datenpolitische Korsett immer enger schnüren, kann Künstliche Intelligenz nicht atmen“, sagte der Chef des Digitalverbands. Man müsse eine Balance finden zwischen dem Schutz der Privatsphäre und dem Nutzen von Daten. Denn ohne gehe es nicht.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sprach sich für einen Zusammenschluss europäischer Unternehmen in Sachen KI aus. „Ein einzelnes europäisches Unternehmen – und sei es noch so groß – wird gegen die großen amerikanischen Akteure alleine nicht ankommen“, sagte Altmaier. Deshalb liege die Lösung in der Kooperation und im Bündeln von Kräften. Die Idee der KI-Kooperation hatte er schon im Juli geäußert.

Kritik am Gipfel: Ein Schaulaufen

Gemeinsam mit Merkel und weiteren Kabinettsmitgliedern ließ es sich beim Gipfel von Unternehmern zeigen, auf welchem Weg die deutsche Wirtschaft bei der Anwendung von Künstlicher Intelligenz ist. Ausgestellt wurden Beispiele aus den Bereichen vernetztes Wohnen und Medizin und Mobilität – samt elektrogetriebenem Mini-Jet, einem Flugtaxi. „Wenn Doro Bär da ist, dann muss was fliegen“, sagte Merkel mit Blick auf die Staatsministerin für Digitales, die auch an dem Rundgang teilnahm.

Die Opposition kritisierte den Gipfel als Schaulaufen. „Der Gipfel ist eine steuerfinanzierte PR-Kampagne, um sich ein digitales Schildchen anheften zu können“, monierte etwa die Grünen-Fraktion.

Was auffiel: Unter den 1100 Teilnehmern des Gipfels aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft waren vor allem Männer. Der Gruß eines bestimmten Mannes fehlte jedoch: Angekündigt war eine Botschaft aus dem All des deutschen Astronauten Alexander Gerst von der internationalen Raumstation ISS. Diese entfiel aber ersatzlos. Nach dpa-Informationen hatte eine kurzfristige Terminänderung auf der ISS die rechtzeitige Aufzeichnung verhindert. (dpa)

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