Suchen

Die Vorteile des kooperativen Verkehrs

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Über Autonomes Fahren wird viel diskutiert. Viel wichtiger für den Verkehr der Zukunft ist aber eigentlich eine andere Vision – nämlich die vom kooperativen Verkehr.

Firma zum Thema

Eine Kooperation zwischen Fahrzeugen dient nicht nur der Routenplanung, sondern auch der Verkehrssicherheit.
Eine Kooperation zwischen Fahrzeugen dient nicht nur der Routenplanung, sondern auch der Verkehrssicherheit.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Laufend sollte im Straßenverkehr Information ausgetauscht werden, denn so kann vor Gefahren gewarnt oder Aktionen gezielt aufeinander abgestimmt werden. Studien zeigen, dass sich durch kooperatives Fahren Zeit und Treibstoff sparen und die Unfallgefahr auf diese Weise reduzieren lässt. „Man kann das täglich im Berufsverkehr beobachten: Wenn jeder einfach die kürzeste Strecke wählt, stehen alle im Stau“, sagt Prof. Christoph Mecklenbräuker von der TU Wien. „Mit Computersimulationen kann man untersuchen, welcher Vorteil durch kluge Kooperation entstehen würde, sodass die Autos über verschiedene Straßen verteilt werden. Am Beispiel einer Modellrechnung für den Linzer Stadtverkehr konnte gezeigt werden, dass sich der Treibstoffverbrauch um 30 % bis 70 % senken lässt.“

In Zukunft sollen Fahrzeuge zudem ihre jeweilige Umgebung mit Hilfe sicherheitsrelevanter Daten automatisch austauschen. „Es gibt hier zwei verschiedene Aspekte“, erklärt Mecklenbräuker. „Einerseits die Kommunikation über Funkverbindungen zwischen den Verkehrsteilnehmern untereinander, andererseits die Vernetzung der Verkehrsteilnehmer mit der Straßeninfrastruktur.“ Funk zwischen verschiedenen Fahrzeugen könnte zum Beispiel beim Überholen helfen: Das vordere Fahrzeug kann an das hintere Fahrzeug die Information weiterleiten, ob momentan Gegenverkehr in Sicht ist. Eine Sendeanlage am Straßenrand könnte vor drohendem Wildwechsel oder Geisterfahrten warnen und vorbeikommende Autos informieren, dass die Fahrbahn an einer bestimmten Stelle eisig ist. „Allerdings gibt es dabei viele technische Fragen zu klären, sowohl im Bereich der Sensorik als auch im Bereich der Datenübertragung“, räumt Mecklenbräuker ein.

Mit zuverlässiger Kommunikation Menschenleben retten

Die Fahrzeuge werden mit einer eigenen Sendeeinheit ausgestattet. Elektromagnetische Wellen werden von anderen Fahrzeugen reflektiert. Die Zeitdauer zwischen Aussenden und Empfangen des Signals gibt Auskunft über den Abstand, gleichzeitig wird bei der Reflexion die Frequenz der Welle verändert – über diese Dopplerverschiebung lässt sich die Geschwindigkeit der Fahrzeuge bestimmen. So entsteht ein umfassendes Bild der Verkehrssituation.

Herausfordernd ist auch, für eine verlässliche und effiziente Kommunikation zwischen den Fahrzeugen zu sorgen. „Es gibt nicht nur die Ausbreitung der Signale entlang der direkten Sichtverbindung. Die Signale breiten sich in Form von Wellen aus und diese werden an verschiedenen Objekten reflektiert oder gestreut – etwa von Verkehrsschildern, anderen Fahrzeugen oder Gebäuden – und gelangen auf mehreren unterschiedlichen Wegen vom Sender zum Empfänger“, erläutert Mecklenbräuker. Sein Team untersucht sowohl in theoretischen Berechnungen als auch in praktischen Experimenten die Statistik dieser Phänomene im Verkehrsalltag und wie man sie technisch nutzen kann. Vom Standpunkt der Telekommunikation aus betrachtet, sei das eine sehr herausfordernde Situation. Das Problem: Sowohl Sender als auch Empfänger bewegen sich, dazwischen entsteht ein dynamisches Umfeld.

Dass sich kooperatives Fahren im Lauf der Zeit durchsetzen wird, steht für Christoph Mecklenbräuker außer Zweifel: „Dass wir im Verkehr die Effizienz erhöhen sollten, um Energie zu sparen, ist klar – da können neue Technologien helfen. Und vor allem sollen sie einen Beitrag leisten, die Zahl der Unfälle zu senken. Alleine in Österreich sterben jedes Jahr mehrere hundert Menschen im Straßenverkehr. Daran haben wir uns gewöhnt – aber es gibt keinen Grund, das als unvermeidbare Tatsache einfach hinzunehmen.“

(ID:46565003)