Ein Angebot von /

Die 40-jährige Historie der Elektromobilität bei VW

| Redakteur: Thomas Kuther

Seit 40 Jahren baut Volkswagen Elektroautos. Mit der ID. Familie startet der Autobauer nun in ein neues automobiles Zeitalter.
Seit 40 Jahren baut Volkswagen Elektroautos. Mit der ID. Familie startet der Autobauer nun in ein neues automobiles Zeitalter. (Bild: Volkswagen)

Eine Historie der Elektromobilität bei Volkswagen? Dazu gibt es wohl nicht allzu viel zu erzählen, werden manche vielleicht denken. Doch die Realität sieht anders aus: Bereits in den frühen 1970er-Jahren begann bei Volkswagen die Forschung an rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen.

1970 gründete Volkswagen die Abteilung „Zukunftsforschung“, nur zwei Jahre später wurde der erste Volkswagen-Transporter mit Elektroantrieb präsentiert. Eine Zeitreise mit Hochspannung.

1972: Der Pionier – T2 Elektro-Transporter

Das erste Ergebnis der Forschungs-Arbeit war 1972 ein Transporter der Baureihe T2. Das Projekt wurde gemeinsam mit den Firmen Bosch, Varta und RWE entwickelt. Angetrieben wurde der Elektro-Transporter von einem Gleichstrommotor, der im Heck des Wagens untergebracht war und eine Dauerleistung von 16 kW abgab. Als Energieträger verwendete man Blei-Akkus, die im Fahrzeugboden untergebracht waren und 850 kg wogen – mehr als damals ein Käfer. Durch die dafür erforderlichen Verstärkungen an Bodengruppe und Fahrwerk brachte der T2 Elektro-Transporter gut 2,2 t auf die Waage. Volkswagen fertigte diesen T2 als Serienmodell über mehrere Jahre in einer Gesamtauflage von ca. 120 Stück, verfügbar mit verschiedenen Aufbauten.

1976: Der Impulsgeber – Elektro-Golf I

Nur zwei Jahre nach dem Debüt des Golf gab es den kompakten Bestseller bereits mit Elektroantrieb. Bei dem 1976 ins Leben gerufenen Projekt handelte es sich allerdings um Versuchsfahrzeuge, entstanden als Reaktion auf die gerade erst überstandene Ölkrise. Außerdem zeigten sie auch das wachsende Bewusstsein für die Knappheit der Ölreserven. Technisch war der erste E-Golf recht simpel aufgebaut: Anstelle des 75-PS-Benzinmotors saß ein Gleichstrom-Elektromotor, der an das serienmäßige Vierganggetriebe angeflanscht war. Ein Bordlader ermöglichte das Aufladen der aus 16 6-V-Bleiakkus bestehenden Batterie über die normale 220-V-Steckdose, was etwa zwölf Stunden in Anspruch nahm.

1981: Lautlos durch die City – Golf I CitySTROMer

Auf Basis des Elektro-Golf I entstand in Zusammenarbeit mit der vom Energieversorger RWE gegründeten „Gesellschaft für elektrischen Straßenverkehr“ (GES) dieses Pilotprojekt. Erprobt wurden die anfangs 20 CitySTROMer im Flottenversuch auch im Privatbetrieb der RWE-Mitarbeiter. Insgesamt entstanden im Rahmen einer Kleinstserie etwa 25 Fahrzeuge. Der CitySTROMer gilt als eines der ersten alltagstauglichen Elektrofahrzeuge. Der Wagen verfügte über vier vollwertige Sitzplätze und brachte mitsamt Blei-Akkus ein Gewicht von gut 1,5 t auf die Waage. Seine Reichweite lag bei rund 60 km, mit Nachladung waren etwa 100 km pro Tag möglich.

1985: Die weiße Flotte – Golf II Citystromer

Die zweite Generation des CitySTROMer basierte auf dem Volkswagen Golf II und wurde 1985 vorgestellt. Als Antrieb kam größtenteils die bereits erprobte Technik des elektrifizierten Vorgängermodells zum Einsatz. Das Ladekabel befand sich hinter einer Klappe im Kühlergrill. Auch der CitySTROMer II war ein voll alltagstaugliches Fahrzeug, gefertigt in einer Kleinserie von 70 Exemplaren. Diese waren zunächst namhaften Energieerzeugern zu Testzwecken vorbehalten. Die CitySTROMer wurden hauptsächlich im Kundendienst eingesetzt, um weitere Praxiserfahrungen zu sammeln. Im Anschluss konnten die Wagen an private Interessenten weiterverkauft werden.

1993: Der Fortschrittliche – Golf III Citystromer

Mit dem Modellwechsel zum Golf III entstand in Zusammenarbeit mit Siemens eine Neuauflage des E-Autos, das 1993 erstmals in den freien Verkauf kam. Insgesamt 120 Stück wurden bis 1996 gebaut. Auf Stadtfahrten bei konstant 50 km/h waren Reichweiten von bis zu 90 km möglich – ein für damalige Verhältnisse beachtlicher Wert. Das Aufladen der Akkus auf 80% dauerte anderthalb Stunden. Zwar erreichten die CitySTROMer aufgrund des damaligen Stands der Speicher- und Ladetechnik nur einen Bruchteil des Wirkungsgrades moderner E-Mobile. Dafür nötigen Innovationen wie die Bremsenergierückgewinnung (Rekuperation), die heute branchenweit Standard ist, noch immer Respekt ab. Bis 1996 legte eine Flotte von Golf III CitySTROMERN und elektrifizierten Transportern T3 erfolgreich einen harten Praxistest im Rahmen des „Rügen-Versuchs“ auf der Ostsee-Insel ab.

2010: Die nächste Generation – Golf VI Blue-e-Motion

Einen wahren Quantensprung in puncto Reichweite und Fahrleistungen markierte der Golf Blue-e-Motion, den Volkswagen 2010 auf dem Berliner E-Mobilitätsgipfel präsentierte. Das Fahrzeug basierte auf der sechsten Generation des Volkswagen Golf und wurde als Vorserie im Flottenversuch erprobt. Verglichen mit seinen elektrischen Vorgängern symbolisierte der Blue-e-Motion den Beginn einer neuen Ära emissionsfreien Fahrens bei Volkswagen: Mit modernster Lithium-Ionen-Technik, einem Rekuperationsmodus mit Bremsenergie-Rückgewinnung, drei verschiedenen Fahrprofilen zur Regelung von Dynamik und Reichweite sowie einem Schnellladesystem mittels Starkstrom nahm dieser Prototyp bereits viele innovative Features vorweg, die später mit dem Modellstart des aktuellen e-Golf in Serie gingen.

2013: Zero Emission in Serie – e-Golf

Der e-Golf auf Basis des Golf VII ist das erste in Großserie produzierte Volkswagen Modell mit rein elektrischem Antrieb. Sein leistungsstarker Synchron-Elektromotor liefert 270 Nm Drehmoment und ermöglicht souveräne Fahrleistungen. Die Lithium-Ionen-Batterie ist wie das Antriebssystem eine unternehmenseigene Entwicklung und platzsparend im Fahrzeugboden untergebracht. An einer Ladestation mit CCS (Combined Charging System) kann der Energiespeicher in nur 20 Minuten auf 80% seiner Kapazität aufgeladen werden. Mit der Modellpflege des Golf VII wurde auch der e-Golf überarbeitet: Seine Reichweite beträgt nun bis zu 300 km, die Leistung des E-Motors stieg auf 100 kW. Auch Drehmoment und Beschleunigungswerte konnten weiter verbessert werden.

2020: Das neue Zeitalter – die ID.-Familie

Mit der ID. Familie startet Volkswagen in ein neues automobiles Zeitalter: Erstmals bringt die Marke eine Modellfamilie auf die Straße, die ausschließlich elektrisch fährt. Die Produktpalette reicht vom kompakten ID. über SUVs wie den ID. CROZZ bis zum ID. BUZZ, der Neuerfindung des legendären Bullis. Ab 2020 kommen die voll elektrischen, voll vernetzten Fahrzeuge auf die Straße. Die ganze Faszination der Elektromobilität zeigt der ID. R Pikes Peak: Der eigens für das berühmte Bergrennen Pikes Peak International Hill Climb entwickelte Rennwagen hat im Sommer 2018 einen neuen Allzeit-Rekord aufgestellt und war damit sogar schneller als die klassischen Rennwagen mit Verbrennungsmotor.

ID.-Chassis: E-Mobilität für einen Konzern

ID.-Chassis: E-Mobilität für einen Konzern

10.10.18 - Der Schleier ist gelüftet: Volkswagen zeigte Mitte September in Dresden erstmals das Chassis seiner neuen Elektromodellfamilie „ID.“ – und gewährte tiefe Einblicke in seine Plattform-Strategie für Elektroautos. lesen

12 Meilensteine des Automobilbaus

12 Meilensteine des Automobilbaus

07.09.18 - In seiner über 130-jährigen Geschichte hat das Automobil tausende brave, funktionale, aber auch schräge Typen hervorgebracht. Doch nur einigen wenigen gebührt dabei besondere Ehre. lesen

Die Geschichte des Elektroautos

Die Geschichte des Elektroautos

17.11.17 - Wussten Sie, dass es Elektroautos seit 1881 gibt, das erste Hybridauto 1900 vorgestellt wurde und dass es um 1910 mehr E-Autos als Verbrenner gab? Hier finden Sie die Meilensteine der Elektromobilität. lesen

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45634004 / E-Mobility)