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Das Parkhaus als Logistik-Hub

| Autor / Redakteur: Nico Esch / Benjamin Kirchbeck

In den weniger frequentierten Nachtstunden sollen Logistik-Unternehmen freie Stellflächen als Mini-Drehkreuze nutzen.
In den weniger frequentierten Nachtstunden sollen Logistik-Unternehmen freie Stellflächen als Mini-Drehkreuze nutzen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Statt des Diesel-Lasters bringen Elektro-Transporter die Ware auf der letzten Meile zum Kunden - eine gute Sache, sofern denn irgendwo Platz zum Umladen ist. Für restlos zugebaute Innenstädte erproben Wissenschaftler nun eine neue Idee.

Parkhäuser in der Innenstadt bieten vielerorts das gleiche Bild: Am Tag, wenn man sie braucht, sind sie voll - und nachts dafür ziemlich leer. Das macht auch die Betreiber nicht glücklich, die seit Jahren darüber nachdenken, wie sie den kostbaren Platz in den zugebauten Innenstädten besser und vor allem gleichmäßiger auslasten können. In Stuttgart experimentieren der Parkhausriese Apcoa und das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) deshalb jetzt mit einer neuen Idee: In den wenig frequentierten Nacht- und Morgenstunden nutzt ein Logistik-Unternehmen freie Stellflächen als Mini-Drehkreuze, lädt dort Waren um und liefert sie dann per Lastenrad aus.

Denn das große Ziel, schwere Last- und Lieferwagen aus den Zentren der Städte herauszuholen und stattdessen kleine, umweltfreundlichere Fahrzeuge auf die sogenannte letzte Meile zu schicken, scheitert oft an einem ziemlich simplen Problem, wie IAO-Projektleiter Bernd Bienzeisler erklärt: Man muss umladen, und der Platz dafür ist rar und entsprechend teuer - zu teuer. „Es ist für einen Logistiker wirtschaftlich nicht darstellbar, Flächen in der Innenstadt zu mieten», sagt Bienzeisler. Zumal die Flächen ja auch nur wenige Stunden am Tag gebraucht würden.

In drei Stuttgarter Apcoa-Parkhäusern läuft es deshalb nun so, dass bestimmte Stellplätze vorübergehend für Autos gesperrt werden, damit das Logistik-Unternehmen Velocarrier dort seine Lieferungen umladen kann. Größere Fahrzeuge stellen Container mit Paketen ab, Mitarbeiter fahren mit Lastenrädern ins Parkhaus, laden die Container dort wieder auf und starten ihre Auslieferungstour in einem Umkreis von einigen hundert Metern. Ist die Umladeaktion beendet, kann auf den Flächen wieder ganz normal geparkt werden.

Für Michael Münter ist das Projekt ein weiterer wichtiger Mosaikstein bei der schwierigen Suche nach Lösungen für das Stuttgarter Verkehrsproblem. Münter leitet bei der Stadt das Referat Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität und ist somit quasi von Amts wegen über jede Idee glücklich, die den berüchtigten Stuttgarter Verkehrsdschungel lichten könnte. „Das sind noch nicht die riesigen Mengen», räumt er ein. „Aber es geht darum, es einfach mal auszuprobieren, es zu machen und nicht nur darüber zu reden.» Was tatsächlich funktioniert und dabei auch wirtschaftlich ist, müsse man dann am Ende sehen, sagt er.

Das Projekt in Stuttgart, an dem auch der Parkdienstleistungsanbieter Evopark beteiligt ist, ist nicht das einzige, das sich mit solchen oder ähnlichen Ideen befasst. In Berlin etwa haben sich vergangenes Jahr gleich mehrere große Logistiker wie DHL, DPD oder UPS in einem sogenannten Mikro-Depot mit Containern zusammengetan, um dort ihre Pakete auf Lastenräder umzuladen. Die einjährige Testphase habe gezeigt, dass das Konzept in dicht besiedelten Gegenden funktioniert, bilanziert der Bundesverband Paket und Expresslogistik. Die Paketdienste wollen ihr kleines Drehkreuz auf einem Gelände der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft nun vorerst weiterbetreiben.

Tests vor allem mit Containern, die kurzzeitig oder auch für längere Zeit irgendwo abgestellt werden und dann als Zwischenlager dienen, gibt es auch in anderen Städten. Und auch der Gedanke, dass man in Parkhäusern doch mehr tun könnte als parken oder mal das Auto waschen lassen, setzt sich immer stärker durch und wird vielerorts erprobt: Pakete oder Einkäufe in das parkende Auto liefern lassen zum Beispiel. Die Start-up-Plattform „Lab1886» des Autobauers Daimler etwa hat erst Mitte Juni ein solches Projekt gestartet.

Das Stuttgarter Parkhaus-Projekt, das vom Bund mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert wird, soll nun noch etwas mehr Dynamik in die Sache bringen. Velocarrier mietet und bezahlt jeweils nur so viel Fläche, wie tatsächlich gerade gebraucht wird. Die Preise dafür sind nicht immer gleich, sondern können von der aktuellen Auslastung genauso abhängen wie vom Wetter, von der Luftverschmutzung oder der Zahl der großen Veranstaltungen, die gerade im Umkreis stattfinden. Im Idealfall ergäbe sich daraus auch ein Instrument, um den Lieferverkehr zu steuern. Auch da experimentieren Bienzeisler und sein Team noch. Für den normalen Parkhausbetrieb gibt es dieses sogenannte dynamische Preismanagement vielerorts schon.

Apcoa-Chef Philippe Op de Beeck ist überzeugt, dass „Park_up», so der offizielle Name des Projekts, nicht nur als Pilotprojekt funktioniert, sondern sich schnell ausrollen lässt. Platz wäre da: Apcoa betreibt allein in Deutschland rund 200.000 Stellplätze in 80 Städten.

Die anderen Parkhausnutzer müssten allerdings auch mitmachen, betont Bienzeisler. Richtig sperren lassen sich die für das Umladen vorgesehenen Parkplätze nämlich nicht, dafür wäre der Aufwand zu groß. Displays zeigen deshalb an, ob die Fläche gerade frei oder für Velocarrier reserviert ist. Daran, so der Projektleiter, müssen sich die Autofahrer dann aber auch halten. –dpa

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