Suchen

Das kooperative Fahrzeug – Intuitiv erkennen, was das autonome Auto plant

| Autor/ Redakteur: Klaus Lockschen / Benjamin Kirchbeck

Ohne Blickkontakt zwischen Fußgängern und Autofahrern würden viele Begegnungen unsicherer verlaufen. Aber was, wenn sich Blicke auf kein Gegenüber mehr richten können, weil autonom fahrende Autos zum Beispiel unbemannt unterwegs sind? Mercedes tüftelt an einer Technik, um im Zusammenspiel von Mensch und Maschine Vertrauen zu schaffen.

Firmen zum Thema

Sensoren verfolgen die Bewegungen von Menschen am Straßenrand und vor dem Fahrzeug. Die Lichter auf dem Dach zeigen Passanten, dass sie wahrgenommen wurden
Sensoren verfolgen die Bewegungen von Menschen am Straßenrand und vor dem Fahrzeug. Die Lichter auf dem Dach zeigen Passanten, dass sie wahrgenommen wurden
(Bild: Daimler)

Wie stellen wir Vertrauen zwischen Menschen und Maschinen her? Ein wesentlicher Baustein unserer Zukunft wird das autonome Fahren sein. Bei dem Thema betrachtet Mercedes-Benz Empathie und Vertrauen als zentrale Faktoren für das Gelingen und die Akzeptanz der Transformation. Große Bedeutung nimmt dabei der Begriff des „Informierten Vertrauens“ ein: „Menschen müssen schnell und zuverlässig einschätzen können, was ein autonomes Fahrzeug als nächstes tun wird. Zu diesem Zweck hat Mercedes-Benz das Konzept eines „Kooperativen Fahrzeugs“ vorgestellt.

„Menschen müssen schnell und zuverlässig einschätzen können, was ein autonomes Auto als Nächstes tun wird“, sagt Alexander Mankowsky, Zukunftsforscher bei Mercedes-Benz. „Das Fahrzeug muss daher in einer Art und Weise über seine Absichten informieren, die der Mensch unmittelbar und intuitiv erfassen kann.“ Denn viele Menschen äußerten diffuse Verunsicherung, wenn sie sich vorstellten, von autonom fahrenden Autos umgeben zu sein. Eine neue Sprache muss her – mit Licht. Denn damit kommt das System Straßenverkehr auch bisher gut klar. Vorne weiß, hinten rot und zum Abbiegen Gelb. Nun soll sich Türkis hinzugesellen.

Dass sich Mercedes für türkis entschieden hat, liegt an der Sinnesphysiologie des Auges. Türkis sei neben magenta besonders gut wahrnehmbar.
Dass sich Mercedes für türkis entschieden hat, liegt an der Sinnesphysiologie des Auges. Türkis sei neben magenta besonders gut wahrnehmbar.
(Bild: Daimler)

Am Konzeptfahrzeug kommen türkisfarbene Leuchtbändern zum Einsatz. Eine 360-Grad-Lichtinstallation über Windschutzscheibe, Scheinwerfer, Kühlergrill und Heck- und Seitenscheiben soll Passanten signalisieren, dass das Fahrzeug eigenständig unterwegs ist. Leuchtdioden auf dem Dach zeigen an, was es als Nächstes beabsichtigt. Diese hohe Position wurde gewählt, um auf Augenhöhe zu kommunizieren und ein Blenden durch die Scheinwerfer zu verhindern.

Sensoren verfolgen die Bewegungen von Menschen am Straßenrand und vor dem Fahrzeug. Die Lichter auf dem Dach zeigen Passanten, dass sie wahrgenommen wurden. Langsames, pulsierendes Blinken bedeutet, dass das Auto abbremst. LED zwinkern den Verkehrsteilnehmer dann quasi an, und eine LED-Laufleiste führt beispielsweise symbolisch über die Straße. In Silicon Valley und in einem Stuttgarter Parkhaus wird das kooperative Fahrzeug getestet.

Dass sich Mercedes für türkis entschieden hat, liegt nach Angaben von Mankowsky an der Sinnesphysiologie des Auges. Türkis sei neben magenta besonders gut wahrnehmbar und noch nicht als Signalfarbe im Straßenverkehr belegt. Der Hersteller hofft auf eine Normierung über die gesamte Autobranche hinweg. Über die gezeigten Installationen hinaus sind auch andere Konzepte möglich. Beispielsweise über Lichtprojektion auf die Straße wie Zebrastreifen oder pulsierende Pfeile, selbst die Verwendung von Emojis ist denkbar.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45622131)