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„Connected Car? Ja klar, aber mit wem?“

| Autor / Redakteur: Dr. Nicolaus Gollwitzer* / Hendrik Härter

Mit Hilfe von anonymisierten Nutzerdaten aus einem vernetzten Fahrzeug soll sich der Kundennutzen erhöhen lassen.
Mit Hilfe von anonymisierten Nutzerdaten aus einem vernetzten Fahrzeug soll sich der Kundennutzen erhöhen lassen. (Bild: JackyLeung)

Seit Jahren gibt es Fahrzeuge, die mit dem Internet verbunden sind. Doch ist das für Kunden auch wirklich erleb- und nutzbar?

Das Dilemma können wir sehr gut bei einer Taxifahrt beobachten. Da sitzt ein Dienstleister in seinem Connected Car, an seinem Arbeitsplatz, und hat oft zwei oder drei digitale Zusatzgeräte an der Windschutzscheibe angebracht. Warum ist das so? Weil sein Arbeitsplatz sich verändert hat und ihn mehr und mehr Aufträge digital über Apps und Mails erreichen.

Sein Auto ist zwar „connected“ aber nicht mit ihm, sondern mit dem Hersteller des Fahrzeugs. Zugegeben, je neuer sein Fahrzeug ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Auto Staumeldungen in Echtzeit aus dem Internet lädt und sich das Kartenmaterial im Navi immer mal wieder auf den aktuellen Stand bringt. Trotzdem: In die Gestaltung des Taxis sind die digitalen Systeme nicht integriert, die der Fahrer für seine Arbeit benötigt.

Die Zukunft sieht hierbei für den Fahrer nicht besser aus. Durch metallbedampfte Scheiben funktionieren die Endgeräte im Fahrzeug immer schlechter. Viele Herstelle lösen das Problem, indem sie immer öfter einen WLAN-Hotspot im Auto anbieten, der über eine eigens für die fahrer-zentrierten, personalisierten Internetdienste verbaute SIM-Karte ins Netz geht. Bei dieser SIM-Karte kann der Kunde meist nicht wählen, welchen Anbieter er nutzen möchte. Bestehende private Mobilfunkverträge können in der Regel nicht um die Konnektivität im Auto ergänzt werden. Das ist nicht nur teuer, es ist auch unpraktisch, da bei einem Fahrzeugwechsel dann auch der Mobilfunkvertrag gekündigt werden muss.

Daten auswerten ist nicht unproblematisch

Parallel zur SIM-Karte für die Autofahrer wird oft eine zweite SIM-Karte verbaut, um die fahrzeugzentrierten Dienste bereitzustellen. Das ist nicht nur technisch aufwendig, da die beiden SIM-Karten gleichzeitig über parallel arbeitende Modems funktionieren müssen, die sich dieselben Antennen teilen. Dieses Vorgehen ist auch datenschutzrechtlich nicht unproblematisch, da die Daten, die in den fahrzeugzentrierten Diensten entstehen, vom Fahrzeughersteller nur so lange verwendet und gespeichert werden dürfen, wie es zur Erbringung der Dienstleistung unbedingt erforderlich ist.

So verbleiben im Auto erzeugte Daten in den Systemen des Herstellers. Das ist für den Hersteller einerseits von Vorteil, denn er behält selbst die Kontrolle über die dort erzeugten Daten. Für nützliche neue Services darf er solche Daten aber oft nicht verwenden, solange der Kunde nicht ein zusätzliches Einverständnis erteilt hat, und das erweist sich in der Praxis als schwierig.

Einen alternativen Ansatz bietet die Anonymisierung von Daten, wie sie Telefónica NEXT anwendet, um aus Mobilfunkdaten aggregierte Informationen für eine bessere Verkehrsplanung zu gewinnen. Sobald der Personenbezug mit der eigens für Mobilfunkdaten entwickelten und TÜV-geprüften Data Anonymization Platform entfernt wurde, bleibt die Privatsphäre der Endnutzer geschützt und neue und explorative Datenverwendung wird möglich. Um dem Nutzer allerdings wirklich individuelle Services und Funktionen anzubieten, sind in der Regel doch personenbezogene Daten vonnöten, so dass Hersteller hier gut beraten sind, eine Einwilligung einzuholen.

Fahrzeugdaten mit Applikationen verbinden

Maximalen Aufwand zu betreiben, um minimalen Kundennutzen zu generieren, ist niemals eine gute Idee. Solange die Daten aus dem Connected Car in geschlossenen Systemen gefangen sind, ist ihr praktischer Nutzen für den Endkunden begrenzt. Er hat kaum Möglichkeiten oder Schnittstellen, um Daten auszulesen, anderweitig zu verwenden oder private IoT-Geräte mit der Auto-Umgebung zu vernetzen. Hier kann ein offener Marktplatz die Basis schaffen, um das System Auto mit dem Internet der Dinge zu verbinden. So könnten Geräte und Systeme unabhängig von Hersteller oder Label Informationen austauschen.

Im Segment der IoT-Geräte für Endkunden ist das heute schon Realität. So lassen sich viele Fitnesstracker mit verschiedenen Apps nutzen und in unterschiedliche Applikationen einbinden. Der Nutzer kann beispielsweise verbrannte Kalorien aus dem Fitnesstracker direkt als Bonus in seine Abnehm-App übertragen lassen. Telefónica NEXT entwickelt eine Plattform, die es den Herstellern von IoT-Geräten – und auch Fahrzeuge lassen sich als solche betrachten – ermöglicht, Daten ihrer Geräte mit nützlichen Applikationen von Drittanbietern zu verknüpfen. Die so genannte Geeny-Plattform der Tefefónica NEXT stellt dabei sicher, dass die Daten der Kunden entsprechend geschützt sind und nur die diejenigen Informationen ausgetauscht werden, die der Kunde auch für die gewünschte Anwendung freigibt. Gleichzeitig erhalten die Hersteller der Geräte einen Anteil an der Wertschöpfung, die mit den Daten der von ihnen hergestellten Geräte generiert wird, und behalten auch die wichtige Markenhoheit an der Kundenschnittstelle, da der Dienst als Whitelabel-Lösung funktioniert.

Unattraktives Angebot oder offener Kundennutzen

Die Autoindustrie steht an einem Scheideweg zwischen völliger Kontrolle eines für den Kunden unattraktiven Angebots und der Partizipation an einem dynamischen, offenen und am Kundennutzen orientierten Marktplatz. Spätestens mit der Einführung des autonomen Fahrens werden sich die Kräfteverhältnisse in diesem Segment drastisch verschieben. Dann ist nämlich ist aus meiner Sicht nicht mehr die Privatperson Käufer des Fahrzeugs, sondern einer der großen Flottenbetreiber. Und diese werden selbstverständlich sicherstellen, dass die User-Experience im Auto nicht die von BMW oder Mercedes ist, sondern die von Sixt, DriveNow, oder Leaseplan.

Für den Taxifahrer ist es dann leider schon zu spät, weil sich sein Geschäftsmodell mit dem autonomen Fahren tiefgreifend wandelt. Für uns als Nutzer von Mobilitätsdiensten werden sich aber viele Dinge zum Positiven wenden. Denn wenn die Automobilhersteller nicht zu bloßen Lieferanten einer beweglichen Blechhülle werden wollen, die für den Kunden von Sixt, DriveNow, oder Leaseplan völlig austauschbar ist, dann müssen sie heute anfangen, eine digitale Markenbindung zu schaffen, die mit den bisher umgesetzten Konzepten unerreichbar ist. Connected Car? Ja klar, aber bitte mit den Kundinnen und Kunden.

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* Dr. Nicolaus Gollwitzer leitet seit Anfang 2017 die Telefónica Germany NEXT als CEO. Vor seinem Wechsel zu Telefónica NEXT war Dr. Gollwitzer als CEO für Vodafone Automotive in Italien tätig. Während seiner Laufbahn bekleidete er verschiedene Positionen im Bereich Vertrieb, Professional Services und Produktmanagement bei diversen US-amerikanischen Softwareunternehmen. Nicolaus Gollwitzer ist promovierter Physiker und lebt in Berlin.

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