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CES: Bosch will führende Rolle im Bereich IoT einnehmen

| Autor/ Redakteur: Mit Material von dpa / Julia Schmidt

Bosch strebt eine weltweit führende Rolle bei vernetzten Lösungen für das IoT sowie im Bereich KI an und baut die Entwicklung von autonom fahrenden Autos weiter aus. Nach Umbaumaßnahmen und Stellenabbau im Bereich Antriebstechnik 2018 präsentiert sich Bosch auf der CES mit neuen Projekten.

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Bosch glaubt fest an eine Zukunft in der fahrerlose Shuttles das Straßenbild in den Metropolen der Welt prägen werden. Auf der CES 2019 feiert Bosch mit einem eigenen Shuttle-Konzeptfahrzeug Weltpremiere.
Bosch glaubt fest an eine Zukunft in der fahrerlose Shuttles das Straßenbild in den Metropolen der Welt prägen werden. Auf der CES 2019 feiert Bosch mit einem eigenen Shuttle-Konzeptfahrzeug Weltpremiere.
( Bild: Bosch )

Vom Shuttle-Konzeptfahrzeug, das eine neue Art der Mobilität erlebbar macht, über vernetzte Kühlschränke, die Tipps zur Aufbewahrung von Lebensmitteln geben, bis hin zu intelligenten Rasenmähern, die individuell lernen – so vielfältig sind die Lösungen, die Bosch auf CES präsentiert. „Bosch hat frühzeitig die enormen Chancen des IoT erkannt. Seit mehr als zehn Jahren gestalten wir die vernetzte Welt aktiv mit“, sagt Dr. Markus Heyn, Mitglied der Bosch-Geschäftsführung. „Heute sind wir ein führendes IoT-Unternehmen. Sukzessive haben wir unsere Software- und IT-Kompetenz weiter ausgebaut.“ Bereits mehr als 270 IoT-Projekte aus Bereichen wie Mobilität, Smart Home, Smart Cities oder Landwirtschaft hat das Unternehmen über die eigene IoT Cloud realisiert. Die Zahl der Sensoren und Geräte, die über die Bosch IoT Suite vernetzt sind, ist gegenüber dem Vorjahr um nahezu 40 Prozent auf 8,5 Millionen gestiegen.

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In Las Vegas präsentierte der deutsche Technologiekonzern ein neuartiges Konzept-Shuttle als „Weltpremiere“. Solche Fahrzeuge würden ab 2020 das Straßenbild in vielen Metropolen prägen, sagte Markus Heyn. Bosch will mit dem Konzeptfahrzeug nicht nur die Sensoren und andere elektronische Komponenten vorführen, die Bosch für die Herstellung autonom fahrender Autos bereitstellen kann. Das Unternehmen zeigt auf der CES auch ein Komplettangebot an Mobilitätsdiensten – etwa zum Buchen der Fahrzeuge, Sharing- und Vernetzungsplattformen oder Parkplatz- und Ladeservices. Solche vernetzte Dienstleistungen sind nach Einschätzung von Bosch wesentliche Voraussetzung für die Shuttle-Mobilität der Zukunft. „Das Konzept zahlt auf unsere Vision einer möglichst emissionsfreien, unfallfreien und stressfreien Mobilität ein“, sagte Heyns am Montag.

IoT und KI – die perfekte Kombination

Ein Schlüssel für weiteres Wachstum und neue Geschäftsmöglichkeiten im IoT ist nach Ansicht von Bosch die künstliche Intelligenz (KI). „Wir können das Potenzial des IoT am besten entfalten, wenn wir beides – IoT und KI – miteinander kombinieren und gemeinsam weiterentwickeln“, sagt Heyn. Es bestehe eine gegenseitige Wechselwirkung: „Das IoT braucht Intelligenz. Die Erhebung von Daten mithilfe von vernetzten Dingen kann die Entwicklung von KI entscheidend vorantreiben“, so Heyn. „Erst durch KI werden vernetzte Dinge intelligent und lernen, Schlüsse zu ziehen. Unser Ansatz dient vor allem konkreten Verbesserungen im realen Alltag – etwa mehr Zeit, Sicherheit, Effizienz oder Komfort.“ Als ein Beispiel nennt Heyn die videobasierte Branderkennung: Sicherheitskameras nutzen hier die intelligente Bildanalyse und können so Brände innerhalb weniger Sekunden erkennen – noch bevor Hitze oder Rauch den Sensor des Systems erreichen. Der Brand wird wesentlich früher erkannt als bei herkömmlichen Feuer- oder Rauchmeldesystemen – das spart wertvolle Minuten, die Leben retten können.

Im Zukunft will Bosch insbesondere im Bereich IoT auf Partnerschaften setzen. Aus der kürzlich vereinbarten Kooperation mit dem kanadischen Plattformanbieter Mojio ist bereits das erste integrierte IoT-Angebot für vernetzte Fahrzeuge entstanden: Ein spezieller Bosch-Algorithmus soll bei einem Unfall präzise Zeit, Ort und Schwere des Unfalls erkennen. Über die Cloud von Mojio werden die Daten ohne Zeitverzug an den Bosch-Notrufservice weitergeleitet. Der fordert automatisch lokale Einsatzkräfte an. Über die Mojio-App oder per SMS geht zeitgleich eine Nachricht an einen zuvor definierten SOS-Verteiler.

Aber nicht nur unterwegs, sondern auch zu Hause sind vernetzte Produkte und Lösungen gefragt, die ihren Nutzer entlasten. „Wir arbeiten am vernetzten Zuhause – an Geräten, die selbständig mitdenken und verstehen, was Nutzer wollen“, so Heyn. Bosch präsentiert auf der CES beispielsweise eine neue Funktion für vernetzte Kühlschränke: die Lebensmittelerkennung mit Aufbewahrungsempfehlung. Ebenfalls neu ist der Projektor PAI: Er kann eine virtuelle Bedienschnittstelle auf die Küchenarbeitsplatte projizieren. Ein integrierter 3D-Sensor erfasst die Berührungen und ermöglicht damit die Steuerung der Bedienfläche. Zudem wird der neue vernetzte Roboter-Mäher Indego S+ vorgestellt, der per Amazon Alexa sprachgesteuert werden kann. Der Roboter-Mäher soll anhand der Wettervorhersage aus dem Internet automatisch den besten Zeitpunkt für den nächsten Rasenschnitt ermitteln können.

Bosch steckt gerade in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess.

Als einer der weltweit führenden Automobilzulieferer befindet sich Bosch gerade in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess. Die Dieselkrise hat beim Unternehmen im vergangenen Jahr zahlreiche Arbeitsplätze in der Antriebstechnik gekostet. In den Werken im saarländischen Homburg und im bayerischen Bamberg seien insgesamt 600 Stellen abgebaut worden, sagte der zuständige Bereichsvorstand Uwe Gackstatter der Branchenzeitung „Automobilwoche“. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, es handle sich jeweils zur Hälfte um Vorruhestandsregelungen bei festen Mitarbeitern und um nicht verlängerte befristete Verträge. Da die Nachfrage nach Diesel-Autos sinke, riefen die Kunden auch weniger Komponenten dafür bei Bosch ab, erläuterte der Sprecher.

Laut „Automobilwoche“ fürchten Arbeitnehmervertreter auch 2019 weitere Stellenstreichungen. Dazu wollte Bosch keine Prognose abgeben. Bei dem Zulieferer hängen weltweit rund 50 000 Arbeitsplätze am Diesel, davon rund 15 000 in Deutschland. Bosch verhandle derzeit mit den Arbeitnehmern über Ersatztechnologien, heißt es in dem Bericht weiter. Man könne aber noch nicht sagen, ob die negativen Effekte aus dem Diesel ausgeglichen werden könnten.

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