Suchen

C2X-Kommunikation für einen effizienteren Winterdienst

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Vereiste und verschneite Straßen sind trotz modernster Assistenz- und Sicherheitssysteme noch immer ein Risiko für Autofahrer. Für die Räum- und Winterdienste war es bisher nicht möglich, frühzeitig zu analysieren, wo ein Einsatz notwendig ist und wo nicht. Daimler will dies nun mit Hilfe der Car-to-X Kommunikation ändern.

Firmen zum Thema

Die anonymisierten Informationen werden in Echtzeit auf digitalen Karten in den beiden Straßenmeistereien des Zollernalbkreises dargestellt.
Die anonymisierten Informationen werden in Echtzeit auf digitalen Karten in den beiden Straßenmeistereien des Zollernalbkreises dargestellt.
(Bild: Daimler)

Im kommenden Winter wird Mercedes-Benz in einer Kooperation mit dem Zollernalbkreis erproben, wie sich mit Car-to-X Kommunikation die Sicherheit auf winterlichen Straßen und die Effizienz des Winterdienstes verbessern lassen. Erkennen die ESP- oder ABS-Sensoren dieser Fahrzeuge rutschige Straßenverhältnisse, wird dies samt Positionsdaten über das Mobilfunknetz in Echtzeit an das Daimler Vehicle Backend gesendet. Diese anonymisierten Informationen werden in Echtzeit auf digitalen Karten in den beiden Straßenmeistereien des Zollernalbkreises dargestellt. Damit wird es künftig möglich, den Winterdienst zielgerichteter einzusetzen und den Streusalzeinsatz zu optimieren.

Im nächsten Schritt könnten Fahrzeuge des öffentlichen Dienstes, also zum Beispiel Polizeiautos, sowie Fahrzeugflotten einbezogen werden. Der Pilotversuch startet im Januar 2020 und läuft bis zum Ende des Winters. Der Zollernalbkreis liegt im Regierungsbezirk Tübingen in Baden-Württemberg und hat rund 190.000 Einwohner, darunter viele Pendler.

Anspruchsvolles Testgebiet

Die Car-to-X Technologie erweitert den Abdeckungsbereich der Fahrzeugsensorik, wie beispielsweise Radar- oder Kamerasysteme, deutlich, weil die Sensoren anderer Fahrzeuge mitgenutzt werden. Neben der Verbesserung der Verkehrssicherheit könnte die Technologie in dem Pilotprojekt auch zur Schonung der Umwelt beitragen, indem durch gezieltes Streuen weniger Salz verwendet wird.

Der Zollernalbkreis ist topographisch wie klimatisch anspruchsvoll: Die Region hat die höchsten Berge der Schwäbischen Alb. 2018 waren zudem 82 Frost- und 13 Eistage zu verzeichnen. Mit seinen beiden Straßenmeistereien in Balingen und Albstadt-Lautlingen kümmert sich der Landkreis um insgesamt rund 150 Kilometer Bundesstraßen, 210 Kilometer Landesstraßen und 270 Kilometer Kreisstraßen. Die Projekt-Partnerschaft von Zollernalbkreis und Mercedes-Benz freut Landrat Günther-Martin Pauli. „Gemeinsam verfolgen wir das klare Ziel, mit neuer, digitaler Technik die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen zu erhöhen. Diese Zusammenarbeit passt perfekt in unsere Strategie, mit digitalen Werkzeugen unsere Arbeit noch besser zu bewältigen. Das ist im Interesse aller, die im Zollernalbkreis leben und arbeiten, und damit ein Baustein für eine auch künftig hohe Lebensqualität im Zollernalbkreis.“

Der Zollernalbkreis ist einer der Vorreiter bei der kommunalen Digitalisierung: Als erster Landkreis in Baden-Württemberg hat er seit Oktober 2018 ein eigenes Amt für Digitalisierung. Die dortigen Mitarbeiter kümmern sich um die Bündelung aller mit der Digitalisierung im Landkreis verbundenen Belange und unterstützen die technische und organisatorische Umsetzung verschiedener Vorhaben. Dazu gehört beispielsweise der kreisweite Breitbandausbau.

Hintergrund: Car-to-X Technologie bei Mercedes-Benz

Daimler hat 2013 die mobile Vernetzung eingeführt. Seit 2016 wird die Car-to-X Kommunikation serienmäßig in Kombination mit Navigationssystemen verbaut – zunächst in der E-Klasse, mittlerweile in allen Mercedes-Benz Fahrzeugen – und steht nach entsprechender Aktivierung durch den Nutzer zur Verfügung. Um den Dienst „Car-to-X“ nutzen zu können, muss der Kunde über einen "Mercedes me connect" Account verfügen. Nur dann findet eine Datenerhebung im Auto statt, und die fahrzeugbezogenen „Car-to-X“ Daten werden ans Backend übermittelt und dort anonymisiert. Über das Benutzerkonto kann zudem einer Datenweitergabe zum Zwecke des Datenverkaufs an Dritte widersprochen werden.

Im Juni 2019 startete zudem ein europaweites Kooperationsprojekt: Daimler, BMW, Ford und Volvo erproben gemeinsam mit Here Technologies, TomTom sowie den Verkehrsbehörden sechs europäischer Länder, wie sich Informationen zu akuten Gefahrensituationen in Echtzeit per Car-to-X Technologie weitergeben lassen. Die Versuchsphase ist auf zwölf Monate ausgelegt und startete in den Niederlanden.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46175717)