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Byton: Vom Shootingstar zum Sorgenkind

| Autor / Redakteur: Walter Wuttke / Benjamin Kirchbeck

2019 war die Welt für das Start-up Byton noch in bester Ordnung. Auf der IAA stellte das Unternehmen die Serienversion seines E-Mobils M-Byte vor und berichtete von mehr als 20.000 Reservierungen allein aus Deutschland. Doch dann kam Corona, und Byton steht plötzlich vor einer ungewissen Zukunft.

Der M-Byte sollte ursprünglich ab 2021 ausgeliefert werden.
Der M-Byte sollte ursprünglich ab 2021 ausgeliefert werden.
(Bild: Byton)

Für ein halbes Jahr stehen in der Fabrik im chinesischen Nanjing erst einmal alle Räder still. „Wir hatten dort mit der Vorserienproduktion begonnen und bereits die Zulassung durch die Behörden für die Fertigung bekommen“, erklärt Oliver Strohbach PR-Chef von Byton Europa. „Nun arbeitet dort nur noch die Kernmannschaft“. Die Fabrik ist auf eine Kapazität von 300.000 Einheiten im Jahr ausgelegt.

Auch in den USA hat das Unternehmen seine Mannschaft bereits im April um die Hälfte reduziert. In Europa, so Strohbach, „arbeitet die Designabteilung vorerst weiter“. Ursache für die Schwierigkeiten ist das Corona-Virus, das alle Planungen durchkreuzt hat. „Investoren haben ihre zugesagten Mittel wieder zurückgezogen, und jetzt werden neue Mittel gesucht“, beschreibt Strohbach die Situation. Ursprünglich hatte Byton geplant, im September die bisher unverbindlichen Reservierungen in feste Bestellungen gegen eine „geringe Anzahlung“ (Strohbach) umzuwandeln. Dieser Plan liegt nun erst einmal auf Eis.

„Wir hatten schon so viel geschafft“, blickt Strohbach zurück. Tatsächlich hatte Byton bereits ein europäisches Händlernetz in Norwegen, Schweiz, Schweden und den Niederlanden aufgebaut. Weitere Handelspartner in weiteren Märkten sollten in den kommenden Wochen bekanntgegeben werden. „Unsere Partner waren bereit, insgesamt eine Milliarde Euro zu investieren“, erklärt Strohbach. Die ersten Modelle sollten nach den auf der IAA im vergangenen Jahr bekanntgegebenen Plänen vom kommenden Jahr an in Europa abgesetzt werden. Stattdessen „müssen wir nun versuchen, uns umzustrukturieren und neue Investoren finden.“ Ohne neues Geld könnte die sechsmonatige Pause der Anfang vom Ende eines vielversprechenden Startups werden.

Byton war 2017 gegründet worden und sammelte vor allem von chinesischen Investoren mehr als 800 Millionen Dollar ein. Als erstes Serienmodell stand der M-Byte in den Startlöchern, den die Byton-Verantwortlichen als digitales „Smart Device“ definierten, und der sich von allen anderen E-Modellen durch sein mehr als ein Meter breites Display vor Fahrer und Passagier unterscheidet. Das geräumige Elektro-SUV wird von einem 272 PS (200 kW) starken Elektromotor im Heck angetrieben, als Reichweite stehen nach der WLTP-Messmethode 360 Kilometer bereit. Eine Allradversion mit 408 PS (300 kW) erreicht maximal 435 Kilometer. Als Preis nannten die Byton-Verantwortlichen im vergangenen Herbst rund 45.000 Euro (ohne Mehrwertsteuer). Weitere Modelle sind auf der Plattform möglich.

Corona entwickelt sich offensichtlich zunehmend als Hindernis für Startups. In Aachen sucht Professor Schuh nach Geldgebern, um seinen elektrisch angetriebenen Stadtwagen Ego Life zu retten. In den USA sucht Faraday Future verzweifelt nach Investoren. Vor vier Jahren auf der CES in Las Vegas mit vollmundigen Ankündigungen gestartet – unter anderem sollte eine Giga-Fabrik in der Nähe von Las Vegas entstehen –, dämmert das Unternehmen heute in einer ehemaligen Reifenfabrik in der Nähe von Los Angeles einer ungewissen Zukunft entgegen. In China kämpft neben Byton auch das Start-up Nio ums Überleben und hofft trotz Corona auf Investoren. -ampnet-

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