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Autonomes Fahren – vom Fahrzeug zum Lebensraum

| Redakteur: Hendrik Härter

Ein autonomes Fahrzeug der Stufe fünf bietet seinen Passagieren nicht nur die Möglichkeit, zu arbeiten oder zu entspannen. Forscher untersuchen zusammen mit Projektpartnern, welche Geschäftsmodelle Potenzial und somit eine Marktchance haben.

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Im Mobility Innovation Lab am Fraunhofer IAO demonstriert ein futuristisches Fahrzeugcockpit mit modularem Armaturenbrett, schaltbaren Scheiben, Sitzen mit Relax-Position, ausklappbaren Tischen und ausfahrbarem Monitor das Innenraum-Erlebnis der Zukunft.
Im Mobility Innovation Lab am Fraunhofer IAO demonstriert ein futuristisches Fahrzeugcockpit mit modularem Armaturenbrett, schaltbaren Scheiben, Sitzen mit Relax-Position, ausklappbaren Tischen und ausfahrbarem Monitor das Innenraum-Erlebnis der Zukunft.
( Bild: Fraunhofer IAO )

Licht spielt für die Insassen in einem Fahrzeug eine wichtige Rolle, dient es doch nicht nur der Sicherheit, sondern erfüllt auch einen emotionalen Aspekt. In einem autonomen Fahrzeug können sich Passagiere entspannen oder sogar arbeiten. Wenn das Fahrzeug selbst steuert, beschleunigt und bremst, ist es denkbar, durch ein Windschutzscheibendisplay die Welt neu zu erleben oder die Scheiben abzudunkeln und Kinofilme schauen. Der Fahrzeuginnenraum wird je nach Bedarf zum Wohnzimmer oder Büro. Für Wissenschaftler am Fraunhofer IAO haben solche Szenarien durchaus das Potenzial, in einigen Jahren Realität zu werden. Ziel ist es, möglichst schnell zu erkennen, welche Technologien, Services und Geschäftsmodelle sich durchsetzen werden und welche Visionen am Markt keine Chance haben.

Bei ihren Forschungen kooperieren die Wissenschaftler mit der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Mit dem MXT Lab, kurz für Mobility, Experience and Technology Lab, etablieren die beiden Partner ein Netzwerk für das autonome Fahrerlebnis. Sie analysieren Trends, um Unternehmen Entscheidungshilfen in Bezug auf Innovationsprojekte zu geben. Damit reagieren die Kooperationspartner auf die unüberschaubare Vielzahl an neuen Entwicklungen, welche die großen Trends der Automobilindustrie mit sich bringen: Denkbar sind etwa sprachunterstützte Dienste mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI). Die Windschutzscheibe könnte zum multifunktionalen Bildschirm werden. Fährt man beispielsweise an der Oper vorbei, erscheint auf dem Display der Ticketdienst. Die Karten zur Aida-Vorstellung könnte man dann im Vorbeifahren kaufen.

Ausblick auf das Fahren von morgen

Das Mobility Innovation Lab am Fraunhofer IAO in Stuttgart bietet eine moderne Forschungsumgebung für Prototyping und Kreativworkshops für den Ausblick auf die Features des Fahrens von morgen: Ein umgebautes Fahrzeug interagiert mit Fußgängern, ein elektrischer Dreirad-Roller gibt einen Ausblick auf eine nachhaltige urbane Mobilität und ein futuristisches Fahrzeugcockpit mit modularem Armaturenbrett, schaltbaren Scheiben, Sitzen mit Relax-Position, ausklappbaren Tischen und ausfahrbarem Monitor demonstriert das Innenraum-Erlebnis der Zukunft sowie die Interaktion mit künftiger Bordelektronik und Services wie mit Sprachlern-, Pizza-Lieferdiensten oder personalisierte Entertainment-Dienste.

Für mögliche lukrative Geschäftsmodelle und Technologien adressieren die Wissenschaftler nicht nur Automobilhersteller und -zulieferer, sondern auch Firmen aus der Entertainment- und IT-Branche. Zudem holen sie Unternehmen, Kommunen und weitere Akteure ins Boot, die mit ihrem spezifischen Know-how das Innovationsnetzwerk unterstützen und bereichern. Das Netzwerkprojekt ist dabei weiterhin offen für interessierte Firmen, die sich dem MXT Lab anschließen möchten.

Lernen im autonomen Fahrzeug

Ein wesentlicher Aspekt des MXT Lab liegt darauf, Nutzer-Studien anzufertigen. Sie bilden eine Ausgangsbasis für die Untersuchung möglicher Innovationschancen. In einer ersten, exemplarischen Studie haben sich die Partner mit der Frage beschäftigt, inwiefern sich die frei werdende Zeit beim automatisierten Fahren zum Lernen von Fremdsprachen eignet. Dazu wurde neben einer quantitativen Online-Befragung in Deutschland, China und den USA auch ein Experiment im Mobility Innovation Lab aufgebaut, um qualitative Nutzeraussagen zu erhalten. Neben dem grundsätzlichen Interesse an entsprechenden Servcieangeboten wurde insbesondere die Attraktivität verschiedener technischer Umsetzungsmöglichkeiten sowie fahrtbezogener Applikationen untersucht. Somit können schließlich Rückschlüsse gezeigt werden, die Impulse für die Gestaltung des automatisierten Fahrerlebnisses der Zukunft und der dazugehörigen Fahrzeuge geben.

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