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Automotive-Sektor als Information-Eco-System

| Autor / Redakteur: Oliver Schwenteck* / Benjamin Kirchbeck

Das Auto als rein materielles Produkt tritt zunehmend in den Hintergrund. Wichtig werden stattdessen die multimediale Ausstattung, Vernetzungsmöglichkeiten und das digitale Serviceangebot.
Das Auto als rein materielles Produkt tritt zunehmend in den Hintergrund. Wichtig werden stattdessen die multimediale Ausstattung, Vernetzungsmöglichkeiten und das digitale Serviceangebot. (Bild: ©vege - stock.adobe.com)

Neue Angebote, digitale Services und neue Kundentypen entstehen, die Vernetzung schreitet voran. Doch wie sieht die digitale Zukunft der Bereiche Automotive und Mobility konkret aus? Was verändert sich in der Branche und welche Anforderungen stellt dieser Wandel an Business Intelligence und IT?

Der Wandel der Automobilbranche ist in allen Bereichen spürbar. Ein gesteigertes Bewusstsein für Ressourcen hat Unternehmen wie Tesla den Weg geebnet, mit einer zukunftsorientierten Technologie den Markt zu revolutionieren. Branchenriesen wie Volkswagen und Daimler haben den Trend zur Elektromobilität aufgegriffen und als legitimen Strukturwandel akzeptiert. Neue Allianzen, die noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen wären – beispielsweise zwischen BMW und Daimler, die sich zukünftig Entwicklungskosten teilen – entstehen und verändern die Machtverhältnisse.

Die zunehmende Vernetzung hat zudem, auch vor dem Hintergrund ökonomischer Vorteile, die Auflösung privater Räume zur Folge: Der PKW entwickelt sich vom Statussymbol zum geteilten Gut. Carsharing erobert die Städte und generiert eine vollkommen neue Nutzungsphilosophie und Verfügbarkeit. Gleichzeitig sind die Erwartungen der Verbraucher an die digitalen Angebote der Fahrzeuge gestiegen. Fahrassistenzsysteme machen den einst fast unvorstellbaren Traum vom autonomen Fahren immer greifbarer.

Durch die digitale Vernetzung wird der PKW zur transparenten Schaltzentrale, die permanent mit der Außenwelt verbunden ist. Das Auto als rein materielles Produkt, das sich über Hubraum und PS definiert, tritt zunehmend in den Hintergrund. Wichtig werden stattdessen die multimediale Ausstattung, Vernetzungsmöglichkeiten und vor allem das digitale Serviceangebot. Kurz: Das Auto der Zukunft zeichnet sich dadurch aus, Informationen hoch intelligent und kundenzentriert verarbeiten zu können.

Fertigungsprozesse der Zukunft – Auflösung der Hierarchie

Der Wandel der Branche zeigt sich nicht nur im Produkt, sondern auch in der Veränderung der Planungs- und Fertigungsprozesse. Die hierarchisch strukturierte Automatisierungspyramide, in der alle Leistungen in einem Unternehmen vereint sind, löst sich auf. Die Industrie der Zukunft zeichnet sich dadurch aus, dass alle Leistungen als externe Services bezogen werden können. Durch diese De-Hierarchisierung können Unternehmen unmittelbar auf Trends, technische Entwicklungen und Veränderungen des Kundenverhaltens reagieren.

Dieser Wandel betrifft insbesondere die Architektur der IT: Traditionelle IT-Lösungen stoßen schnell an ihre wirtschaftlichen Grenzen. Stark integrierte Systeme fordern einen enormen Pflegeaufwand und sind mit hohen Qualifizierungsanforderungen verbunden. Zudem ist ihre Echtzeitfähigkeit eingeschränkt und sie beinhalten teure Lizenzpakete. An die Stelle der traditionellen Lösungen treten nun flexible und anpassungsfähige Geschäftsmodelle, die die Vorstellung von „anything as a service“ (XaaS) in der Cloud bedienen. Das klassische Data Center wird abgelöst. Cloud-Services umfassen mittlerweile neben den Bereichen Software (SaaS), Plattformen (PaaS) und Infrastruktur (IaaS) auch Storage, Kommunikation, Netzwerke, Desktop, Monitoring, Websites und Sicherheit. Der Vorteil von XaaS-Modellen liegt, gerade im Bereich Mobility, in ihrer Flexibilität und ihrer Effizienz.

BI der Zukunft – Information-Eco-System als Basis der Wertschöpfung

Die große Herausforderung jedoch, mit der sich der Bereich Automotive durch sein digitales Serviceangebot konfrontiert sieht, ist das Informationsmanagement. Als mobile, vernetzte Schaltzentrale kann der PKW auf unendlich viele Informationen zugreifen, diese unterscheiden sich jedoch in ihren Datenformaten. Zu diesen Informationen gehören auch Drittangebote wie Mehrwertdienste mit Infos zu Tankstellen, Restaurants und Touristik sowie zu öffentlichem Nahverkehr und die daran angeschlossenen Bezahlformate.

Ziel der Business Intelligence der Zukunft ist es daher, die unterschiedlichen Informationsformate auswerten zu können – sie muss zu einer intelligenten Integration aller Daten befähigt sein. Dadurch werden Szenarien denkbar, in denen das Fahrzeug während der Reise in Echtzeit beispielsweise ortungsbasierte Vorschläge zu Hotels machen kann und die Präferenzen des Fahrers auf Basis von Erfahrungswerten mit einbezieht. Mehr noch: Ein weiteres Szenario wäre der Hinweis nach zwei Stunden Fahrt, dass in fünf Kilometern Entfernung ein gut bewertetes Restaurant das Lieblingsessen des Fahrers serviert. Durch eine optimale Vernetzung könnte das Menü direkt aus dem PKW bestellt werden. Der Fahrer wird dadurch zum Teil der Information, zum Teil des Information-Eco-Systems

Die VUCA-Theorie – Digitale Herausforderung für Unternehmen

Die wachsende Informationsdichte und der digitale Wandel stellen die größten Herausforderungen dar, mit denen Unternehmen heute konfrontiert sind. Die sogenannte VUCA-Theorie verdeutlicht diese. VUCA steht als Acronym für die Begriffe „volatility“ (Flüchtigkeit), „uncertainty“ (Ungewissheit), „complexity“ (Komplexität) und „ambiguity“ (Mehrdeutigkeit), die miteinander verwoben sind und sich gegenseitig bedingen. Im Begriff der „Volatilität“ finden sich die neuen Wettbewerber sowie die Produktlebenszyklen, die sich angesichts des technischen Fortschritts immer weiter verkürzen. Die „Ungewissheit“ bildet die Situation der Märkte ab. Technische Trends müssen beurteilt werden – da Technikwissen jedoch heutzutage nach weniger als drei Jahren als veraltet gilt, eine große Herausforderung.

Die zunehmende „Komplexität“ bezieht sich nicht nur auf die dargestellte Entwicklung vom Produkt zum Service, sondern auch auf die Veränderung ganzer Eco-Systeme. Denn der Wandel der Automobilbranche betrifft sowohl Hersteller, Lieferanten, Handel und Versicherungen als auch Finanzdienstleier. Er wirkt sich, u. a. durch Datenschutzfragen, bis in die Legislative aus. Unter den Begriff der „Mehrdeutigkeit“ fallen insbesondere die unterschiedlichen Datenformate, die die Fähigkeiten der IT und BI herausfordern.

Der digitale Wandel als Chance

Unternehmen müssen wandlungsfähiger, flexibler und offener für Innovationen werden, ohne dabei ihre Identität und Stabilität zu verlieren. Eine Strategie, um VUCA zu begegnen, besteht daher darin, sich von dem Wandel samt all seinen Herausforderungen nicht verunsichern zu lassen, sondern ihn als Chance zu sehen – und das in allen Bereichen. Dabei gilt die Devise: Schrittweises erfassen und Verstehen von Zusammenhängen im Kleinen reduziert die Komplexität im Großen. Die Integrationsfähigkeit von Daten – ein Information-Eco-System – wird dabei zur Kernaufgabe von IT und BI. Durch diese Strategie kann VUCA auch als entgegengesetztes Szenario gedeutet werden – als Ansporn für „vision“ (Vision), „understanding“ (Verstehen), „clarity“ (Klarheit) und „adaptility“ (Anpassungsfähigkeit).

* Oliver Schwenteck ist Principal Analytics Strategy und Digital Solutions bei INFOMOTION. Er ist Führungskraft und Experte in den Bereichen Business Intelligence & Analytics und hat erfolgreich Strategien konzipiert und umgesetzt. Die Entwicklung neue Konzepte im Kontext Industrie 4.0 und Digtale Transformation bildet den derzeitigen Tätigkeitschwerpunkt.

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