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Automatisiertes Fahren: Kommandozentrale an den Fingerspitzen

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Der Erfolg des automatisierten Fahrens setzt Vertrauen und Akzeptanz der Nutzer voraus: Hierfür wurde nun ein zentrales Eingabegerät als Element des ganzheitlichen Mensch-Maschine-Dialogs entwickelt. Mit variablem haptischen Feedback und diversen Farbcodierungen soll das Bewusstsein beim Übergang vom manuellen zum automatisierten Fahren erhöht werden.

Smart Control als Element des ganzheitlichen Mensch-Maschine-Dialogs.
Smart Control als Element des ganzheitlichen Mensch-Maschine-Dialogs.
(Bild: Continental )

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis Fahrzeuge vollautomatisiert oder gar autonom fahren können. Der Autofahrer wird auf diesem Weg schrittweise zu einem Überwacher von Fahrmanövern. Um die Entwicklung des automatisierten Fahrens voranzutreiben, hat Continental ein zentrales Eingabegerät entwickelt.

Das sogenannte Smart Control soll den Rollenwechsel vom Autofahrer zum Nutzer von automatisierten Fahrfunktionen transparent und intuitiv gestalten. Es informiert, ob das Fahrzeug einen automatisierten oder manuellen Fahrmodus erlaubt und kann zudem zur Steuerung von Fahrmanövern genutzt werden.

„Für den Erfolg automatisierter Fahrzeuge ist die Akzeptanz und das Vertrauen des Nutzers nötig. Dies erreichen wir mit einer ganzheitlichen Mensch-Maschine-Schnittstelle, die den Nutzer mit intuitiven Interaktionskonzepten transparent informiert und die Möglichkeit einräumt, Fahrmanöver zu beeinflussen. Mit Smart Control haben wir ein neues Element für den Dialog zwischen Nutzer und Fahrzeug entwickelt“, sagt Dr. Frank Rabe, Leiter der Business Unit Instrumentation & Driver HMI bei Continental.

Um die Aufgabenteilung zwischen Fahrer und Fahrzeug in den Phasen des hoch- und vollautomatisierten Fahrens (SAE-Level 4 und 5) sicher zu gestalten, erfüllt das neue Eingabegerät zentrale Aufgaben: Als Element in der Mittelkonsole des Fahrzeugs informiert es dank einer Kinematik-Funktion zum einen kontinuierlich über den aktuellen Fahrmodus. Während manueller Fahrphasen verschwindet es in der Mittelkonsole, sodass der Fahrer nur das oben auf liegende Touchpad, zum Beispiel zur Steuerung des Infotainments, nutzen kann.

Sobald sich das Fahrzeug auf einer automatisiert fahrbaren Strecke befindet, fährt das Gerät aus der Mittelkonsole heraus und der Fahrer kann die Automatisierung mit Hilfe des Eingabegeräts aktivieren. Das Gerät wird ähnlich einem Joystick bedient, unterstützt durch variables haptisches Feedback. Durch eine zusätzliche Farbcodierung schafft Smart Control Klarheit über den aktuellen Status der Automatisierung: Je nach Fahrmodus leuchtet das Eingabegerät zusammen mit anderen Elementen im Cockpit wie dem digitalen Kombiinstrument in einer bestimmten Farbe.

Zum anderen trägt die Entwicklung dazu bei, die Aufmerksamkeit des Nutzers auch während der automatisierten Fahrt auf einem optimalen Niveau zu halten. Dies ist wichtig, um insbesondere die sensible Übergabephase am Ende eines autonomen Fahrabschnitts sicher zu gestalten.

„Wir sprechen vom Konzept der kooperativen Automatisierung. Das Fahrzeug erfüllt einfache Fahraufgaben wie das Halten der Spur komplett selbstständig, der Fahrer gibt Anweisungen für komplexe Fahraufgaben, zum Beispiel das Überholen auf der Autobahn, die das Fahrzeug dann automatisiert ausführt“, erläutert Dr. Rabe. Somit bleibt der Fahrer stets im Regelkreis der Fahraufgabe integriert.

Weiterhin kann der Fahrer das Eingabegerät nutzen, um zwischen verschiedenen Informationsdarstellungen im digitalen Kombiinstrument zu wechseln. Von einer maximalen Umgebungsvisualisierung, bei der alle Verkehrsteilnehmer in unmittelbarer Nähe angezeigt werden, bis zu einer stark reduzierten Ansicht, die einen Ausblick auf die voraus liegenden Fahrabschnitte bietet, kann der Fahrer mit Hilfe des Geräts wählen. Diese Funktion unterstützt die Vertrauensbildung in das automatisierte Fahren maßgeblich, indem sie jederzeit transparent das richtige Maß an Informationen liefert.

Aktuell ist das Design vor allem funktional ausgerichtet und kann herstellerspezifisch individuell angepasst werden. Neben einer haptischen Rückmeldung zur Bestätigung von Fahreraufträgen haben die Entwickler auch eine Funktion integriert, die eine ungewollte Bedienung verhindert indem sie erkennt, ob der Fahrer tatsächlich die Hand aufgelegt hat oder das Gerät nur versehentlich berührt hat.

Das zentrale Eingabeelement für automatisiertes Fahren wird aktuell in Testfahrzeugen und im Fahr-Simulator getestet, um das Konzept der kooperativen Automation weiter auf die Probe zu stellen und die Spezifikation des Geräts je nach Akzeptanz der Nutzer zu optimieren.

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