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Antriebstechnik „Made in Germany“ für nachhaltige Mobilität in China

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

China ist der weltweit größte Einzelmarkt für Baumaschinen. Entsprechend groß ist der Hebel für saubere Motorentechnik, einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Die chinesische Gesetzgebung schreitet hier in Sachen Emissionsregulierung rasant voran. Woran es jedoch oft fehlt, sind hochentwickelte Antriebe, die die neuen Standards erfüllen können.

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Chinas größter Baumaschinenhersteller Sany setzt auf Motoren-Know-how von Deutz.
Chinas größter Baumaschinenhersteller Sany setzt auf Motoren-Know-how von Deutz.
( Bild: Clipdealer )

Die Einführung der „China IV Non Road Emission Legislation“ steht unmittelbar bevor und soll voraussichtlich im Jahr 2020 für alle Maschinen abseits der Straße in China gelten. Mit China IV werden die Stickoxid- und Partikelmassen-Grenzwerte im Vergleich zu China III nochmals deutlich reduziert (siehe Diagramm am Beispiel des Leistungsbereichs 130-560 kW). Zudem wird ein neuer Grenzwert für die Partikelanzahl eingeführt, der den technologischen Einsatz eines Dieselpartikelfilters erfordert – ähnlich der EU Stufe V Gesetzgebung. Darüber hinaus wird im Heavy-Duty On-Road-Bereich die neue China VI (die weitgehend der EU Stufe Euro VI entspricht) ab Mitte 2020 für städtische Nutzfahrzeuge und in 2021 landesweit eingeführt.

Was zunächst nach behördlichem Zahlenwerk klingt, stellt für chinesische Fahrzeug- und Motorenhersteller eine enorme Herausforderung dar. Insbesondere da die chinesischen Vorgaben zügig an die europäischen Standards aufschließen. Damit bieten sich im Umkehrschluss aber auch attraktive Chancen für erfahrene Hersteller, als Technologiepartner in China an Volumen zu gewinnen und gleichzeitig vor Ort eine saubere und nachhaltige Mobilität voranzutreiben, die Klima und Umwelt entlastet.

Die Entwicklung der Emissionsgrenzwerte exemplarisch für den Leistungsbereich 130 – 560 kW.
Die Entwicklung der Emissionsgrenzwerte exemplarisch für den Leistungsbereich 130 – 560 kW.
( Bild: Dieselnet )

Chinas größter Baumaschinenhersteller Sany setzt beispielsweise auf Motoren-Know-how aus Köln. Die Deutz AG, Spezialist für Diesel-, Gas- und elektrifizierte Antriebe, verfügt über jahrelange Motor- und Abgasnachbehandlungs-Expertise. Im Rahmen eines Joint Ventures, an dem Deutz 51 Prozent hält, entsteht derzeit ein neuer Produktionsstandort in Changsha, der bis 2022 rund 75.000 Motoren für Sany liefern soll. Zum Vergleich: derzeit liefert Deutz insgesamt rund 10.000 Motoren nach China.

Bei den Stückzahlen besteht zudem noch weiteres Wachstumspotenzial. Dr. Frank Hiller, Vorstandsvorsitzender der Deutz AG, erklärt: „Wir gehen davon aus, dass der Bedarf in China weiter steigen wird. Zudem können wir aus unserem Joint Venture auch weitere Kunden lokal bedienen. Die chinesische Regierung treibt sowohl die Weiterentwicklung von Dieselmotoren als auch alternative Antriebstechnologien, wie Elektrifizierung, nachhaltige Kraftstoffe oder Wasserstoffantriebe konsequent voran. Bei Deutz agieren wir technologieoffen in all diesen Bereichen, was uns für den chinesischen Markt bestens rüstet.“

Die derzeit strengsten Non-Road-Emissionsstandards der EU Stufe V erfüllte das Kölner Traditionsunternehmen als erster Hersteller weltweit. Auch im Bereich Elektromobilität ist Deutz spätestens seit dem Zukauf des E-Spezialisten Torqeedo Ende 2017 und dem Batteriespezialisten Futavis 2019 ein ernstzunehmender Marktteilnehmer. Torqeedo – Marktführer für elektrische und hybride Bootsmotoren – liefert komplett integrierte Antriebssysteme inklusive Batterie und Leistungselektronik, die Deutz bereits auf verschiedene Baumaschinen adaptiert hat.

Ein weiteres interessantes Feld ist der Einsatz von alternativen Kraftstoffen und Wasserstoff in Verbrennungsmotoren. Hier setzen die Kölner ebenfalls auf eine Kooperation – und zwar mit dem Münchner Start-up Keyou. Gemeinsam plant man die Entwicklung, Industrialisierung und Kommerzialisierung von CO2-freien Wasserstoffmotoren für den Non- und On-Roadbereich bis spätestens 2022.

Die Motorenfertigung von Deutz in Köln.
Die Motorenfertigung von Deutz in Köln.
( Bild: Deutz )

Derart breitgefächerte Technologie-Paletten werden in China zunehmend stärker nachgefragt und öffnet so manche Tür. Das Joint Venture zwischen Deutz und Sany ist Teil von Sany’s Intelligent Heavy Truck Projekt, einem Großprojekt im Rahmen der Digitalisierungsstrategie von Sany – das heißt Deutz übernimmt, zusätzlich zu verschiedenen Non-Road-Anwendungen, die Motorenfertigung im Bereich Heavy Trucks für Sany.

„China setzt auf nachhaltige Mobilität – und Unternehmen wie Sany setzen dabei auf erfahrene Partner wie Deutz. Wir unterstützen auf diesem Pfad bestmöglich mit hochentwickelten Antrieben im Sinne einer lokalen aber auch globalen Nachhaltigkeit. Für uns eine echte Win-Win-Situation, da Wachstum und ein positiver Einfluss auf Umwelt und Klima sich hier ideal vereinen lassen, so Dr. Frank Hiller.

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