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Analyse der Elektromobilität in sechs Nationen

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Elektromobilität in Mexiko

Nachfrage in Mexiko

Der Absatz von Elektro- und Hybridfahrzeugen in Mexiko ist noch überaus gering. In den ersten drei Quartalen 2017 fanden insgesamt 7.283 entsprechende Pkw einen Käufer. Die Verkäufe teilten sich auf in 7.086 Hybriden und 197 Elektroautos. Gemessen am gesamten Pkw-Absatz entspricht dies lediglich 0,7 Prozent. Guillermo Rosales, stellvertretender Geschäftsführer des Kfz-Händlerverbandes AMDA (Asociacion Mexicana de Distribuidores de Automotores), geht für die kommenden Jahre von einem weiter begrenzten Wachstum aus: "Wir erwarten jährliche Verkaufssteigerungen von rund 20 Prozent. Damit wird der Anteil am Gesamtabsatz jedoch weiter hinter Industriestaaten wie den USA zurückbleiben." Den Hauptgrund sieht Rosales im nach wie vor höheren Preis. "Der Durchschnittpreis von Neuwagen liegt in Mexiko bei rund 14.000 Euro und damit weit unter den Preisen für Elektrofahrzeuge", gibt der Experte zu bedenken.

BMW hielt indes zusammen mit Siemens im September 2017 eine Veranstaltung zur Elektromobilität in Mexiko-Stadt ab. In einer Workshop-Serie erarbeiteten die Teilnehmer eine Reihe von Vorschlägen, wie E-Autos besser gefördert werden können. Im Dezember wurden diese Vorschläge unter dem Titel "Agenda 2020" dem Umweltministerium übergeben. In Mexiko existiert keine direkte Subvention für den Kauf von Elektro- oder Hybridfahrzeugen, der Staat setzt eher auf indirekte Förderung anhand von Steuervergünstigungen. So entfällt die Steuer auf Neufahrzeuge und Besitzer entsprechender Fahrzeuge zahlen keine Kfz-Steuer. Seit Februar 2017 sind importierte E-Autos von der Einfuhrsteuer befreit.

Produktion in Mexiko

Mexiko ist der siebtgrößte Autoproduzent weltweit. Unter den großen Autobauern hat bislang jedoch nur Ford Pläne, elektrische Fahrzeuge in Mexiko zu bauen. Wie im Dezember 2017 bekannt wurde, will der Konzern ab 2020 ein kleines SUV in seinem Werk im Estado de Mexico fertigen. Das Modell war ursprünglich für das Ford-Werk Flat Rock im US-Bundesstaat Michigan vorgesehen. Dort soll jedoch in Zukunft die Entwicklung und Produktion von autonomen Fahrzeugen vorangetrieben werden, weshalb das Elektromodell nach Mexiko wandert. Audi plant neben den konventionellen Varianten des Q5 auch eine Hybrid-Version in Mexiko zu montieren. Das 2016 eröffnete Werk im Bundesstaat Puebla bereitet diesen Schritt zurzeit vor. Die Fabrik hat eine Jahreskapazität von 150.000 Fahrzeugen.

Obwohl die mexikanische Kfz-Industrie von ausländischen Firmen beherrscht wird, gibt es beim Thema Elektromobilität einige heimische Ansätze. Das Unternehmen Motores Limpios brachte Mitte 2017 den Zweisitzer Zacua auf den Markt. Das 380 Kilogramm schwere Fahrzeug hat eine Reichweite von 195 Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h. Moldex, eine Tochterfirma des Backwarenriesen Bimbo, gab bekannt, zusammen mit der ebenfalls mexikanischen Firma Giant Motors ein elektrisch betriebenes Taximodell zu entwickeln. Es soll noch 2018 auf den Markt kommen.

Mit Vehiculos Electricos Corporativos (VEC) entwickelt ein weiteres mexikanisches Unternehmen elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge. Zusammen mit der Universidad Autonoma Metropolitana (UAM) stellte die Firma Anfang 2017 den Prototypen eines Transporters vor, dessen Batterie für eine Reichweite von 100 Kilometern lediglich 60 Minuten Ladezeit benötigt. Der Verkaufspreis ist mit ca. 30.000 Euro im Vergleich zu anderen E-Nutzfahrzeugen günstig. Informationen über die exakte Markteinführung liegen nicht vor.

Infrastruktur in Mexiko

Die Verkäufe von Elektro- und Hybridautos kommen in Mexiko nur langsam in Schwung. Die Ladeinfrastruktur ist relativ gut ausgebaut, jedoch stark auf die Hauptstadtregion konzentriert. Das größte Netz an Ladestationen (Chargenow) in Mexiko bot im Februar 2018 insgesamt 434 Stationen an. Der Großteil der Stationen befindet sich auf Grundstücken von Hotels, Einkaufszentren und Einzelgeschäften. Chargenow ist eine Kooperation von Nissan, BMW und dem staatlichen Stromkonzern CFE, der derzeit 30 Stationen installiert. Die Ladetechnik des Chargenow-Netzwerks stammt von Schneider Electric und General Electric. Die meisten Ladeeinheiten sind öffentlich zugänglich und kostenfrei nutzbar.

Der US-Autobauer Tesla betreibt das zweite große Netz von Ladestationen in Mexiko. Das Unternehmen bietet landesweit rund 410 Ladestationen an, die sich ebenfalls hauptsächlich an Hotels und Einkaufszentren befinden. Inwieweit die mexikanische Ladeinfrastruktur darüber hinaus expandiert, ist ungewiss. "Wir gehen davon aus, dass die Ladestationen gemäß der Nachfrage ausgebaut werden", sagt Guillermo Rosales. Dazu müssen Rosales zufolge jedoch zunächst mehr batteriebetriebene Fahrzeuge abgesetzt werden, was wiederum davon abhänge, ob die Hersteller deren Preise reduzieren können.

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