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Analyse der Elektromobilität in sechs Nationen

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Elektromobilität in den Niederlanden

Nachfrage in den Niederlanden

Von insgesamt 8,37 Millionen Pkw in den Niederlanden verfügten zum 1. Januar 2018 rund 270.000 über einen elektrischen Antrieb. Der BEV-Absatz hat sich 2017 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Eingebrochen ist demgegenüber die Nachfrage nach Plug-In-Hybriden: Die Verkaufszahlen erreichten 2017 nur noch etwa sechs Prozent ihres Volumens von 2016. Grund ist eine Änderung der Förderung. Wer ein Geschäftsauto auch privat nutzt, muss die sogenannte "bijtelling"-Abgabe bezahlen. Sie wird bei einer privaten Nutzung von über 500 Kilometern im Jahr fällig und beträgt derzeit einmalig 22 Prozent des Fahrzeugwertes. Im Falle von Hybriden galt bis Ende 2016 ein Vorzugssatz von 4 Prozent. Ab 2017 gilt dieser nur noch für BEV.

Die niederländische Regierung plant, dass 2020 ein Zehntel aller Neufahrzeuge und fünf Jahre später sogar die Hälfte mit elektrischem Antriebsstrang ausgestattet sind. Ab 2030 sollen dann nur noch emissionsfreie Neuwagen verkauft werden. Das Land selbst hat keine bedeutende Automobilproduktion, wodurch eine solche Regelung wohl relativ einfach durchzusetzen ist. Branchenkennern zufolge sind die Ziele ambitioniert, aber realistisch. So rechnet Professor Martin Steinbruch, dessen Prognosen vom Branchenverband Doet genutzt werden, damit, dass sich der Elektroautoverkauf 2018 und 2019 jeweils gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Für 2025 prognostiziert Steinbruch BEV-Neuzulassungen von knapp 353.000.

Produktion in den Niederlanden

Entsprechend der übersichtlichen Automobilindustrie der Niederlande beschränkt sich auch die Produktion auf wenige Unternehmen. VDL hat sich nach eigenen Angaben zum westeuropäischen Marktführer auf dem Gebiet der batterieelektrischen Busse entwickelt. Ende 2017 waren rund 200 Elektrobusse des Herstellers im täglichen Einsatz. Bis vor kurzem wurde das Segment noch als interessantes Zusatzprojekt gesehen, ab 2022 erwartet VDL in den Niederlanden ausschließlich elektrische Busse auszuliefern. 2018 will der Anbieter auch einen elektrischen Minibus mit einer Reichweite von 220 Kilometern auf den Markt bringen. Die E-Busse von Ebusco sind in den Niederlanden, Deutschland, Norwegen und Frankreich unterwegs.

Das Segment von batteriebetriebenen Lkw beschränkt sich noch auf den lokalen Einsatz in der städtischen Distribution. VDL entwickelt einen E-Lkw, der 2018 mit einer Reichweite von 120 Kilometern Kunden im Bereich des innerstädtischen Verteilerverkehrs ködern soll. Dem Geschäft mit Elektrolastern wird mittelfristig ein gutes Wachstumspotential zugeschrieben.

An den technischen Universitäten des Landes werden Prototypen von Solarautos entwickelt. Das Solar Team Eindhoven hat ein fünfsitziges Familienauto entwickelt, das im Sommer 2017 offiziell zugelassen wurde. An sonnenreichen Tagen soll die Reichweite 1.000 Kilometer betragen. Fünf Entwickler des Solar Teams Eindhoven haben das Wissen in ein neues Unternehmen eingebracht und im Juni 2017 das Model Lightyear One präsentiert. Der Plug-In-Hybrid mit Solarzellen soll eine jährliche Reichweite von 10.000 Kilometern haben.

Infrastruktur in den Niederlanden

Die Niederlande verfügen nach Norwegen über die zweitdichteste Ladeinfrastruktur Europas. Rund 12 Prozent aller öffentlichen Ladesäulen weltweit stehen nach Angaben der International Energy Agency in den Niederlanden. Mit 15.382 öffentlichen und 17.594 halböffentlichen Säulen ist die Ladeinfrastruktur nahezu flächendeckend. Niederländische Unternehmen sind den letzten Jahren zu Marktführern für Ladelösungen herangewachsen. Die Firma NewMotion betreibt mit 50.000 Ladestandorten in 22 Ländern das größte Ladenetz Europas.

Als weltweit größter Anbieter von Ladelösungen und Zusatzdienstleistungen für Elektrofahrzeuge gilt EV-Box. Das Unternehmen betreibt inzwischen rund 48.000 Ladestationen in etwa 980 Städten weltweit. EV-Box ist für die gesamte Ladeinfrastruktur in Amsterdam und Rotterdam verantwortlich und arbeitet mit verschiedenen Partnern am weiteren Ausbau in ganz Europa. Das Schnellladenetz bestand Ende 2017 aus 761 Ladepunkten. Auch die Ladeleistung der Systeme entwickelt sich weiter. Während die derzeitige Generation auf maximal 120 Kilowatt ausgelegt ist, bieten neue Schnellladestationen 150 Kilowatt und Ultraschnellladestationen 350 Kilowatt Leistung.

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