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Analyse der Elektromobilität in sechs Nationen

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Elektromobilität in Norwegen

Nachfrage in Norwegen

Dank staatlicher Förderung sind E-Autos in Norwegen sehr beliebt. Zum einen entfallen beim Kauf die Umsatzsteuer, Zulassungsgebühren und Importabgaben. Zum anderen können Halter von E-Fahrzeugen öffentliche Parkplätze kostenlos nutzen, müssen keine Mautgebühren zahlen und dürfen Busspuren befahren. Mehr als jeder zweite Neuwagen, der 2017 in Norwegen zugelassen wurde, hatte nicht zuletzt deshalb einen Elektro- oder Hybridantrieb. Der BEV-Bestand legte gegenüber dem Vorjahr um über 40 Prozent auf gut 140.000 zu. Reine Stromer erreichten damit 20 Prozent Marktanteil. Plug-In-Hybride kommen auf 18 Prozent.

Für 2018 erwartet die norwegische E-Auto-Vereinigung ein BEV-Zulassungsplus von bis zu 30 Prozent. Als Hauptgrund gelten die Markteinführungen neuer Modelle. "140.000 BEV rollen bereits über Norwegens Straßen, bis 2020 wollen wir 400.000", sagte Christina Bu, Generalsekretärin der norwegischen E-Auto-Vereinigung, gegenüber Medien. Kassenschlager ist der e-Golf von VW. Nach Angaben der E-Auto-Vereinigung wurden 2017 6.600 Stück des e-Golfs abgesetzt. Auch der BMW i3 (5.000) und das Tesla Model X (4.700) erhalten regen Zuspruch.

Produktion in Norwegen

Norwegen verfügt über keinen eigenen Autobauer, mit Kongsberg Automotive aber über einen großen Kfz-Zulieferer. Das zu Loyds Industri gehörende Unternehmen Paxster bietet kleine elektrische Zustellfahrzeuge an. Als Produktionsstandort ist Norwegen unbedeutend. Lediglich der Elektrofahrzeughersteller Buddy Electric verfügt dort über einen Betrieb. Doch ist der letzte Buddy schon 2015 vom Band gelaufen, sodass nur noch Reparaturen durchgeführt werden. "Wir versuchen seitdem, Teile unserer alten Fabrik und die Produktionsrechte zu verkaufen - an Länder, die billiger produzieren können", sagte Oyvind Ursin Kavag, Senior Consultant und ehemaliger Vorstandsvorsitzender bei Buddy Electric, gegenüber Deutschlandfunk Kultur. Zu schaffen machten dem Unternehmen vor allem die in Norwegen hohen Lohn- und Produktionskosten.

Ein weiterer norwegischer Hersteller von Automobilen (Think Global) war bereits 2011 in Konkurs. Um die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu verbessern, unterstützt Norwegen seit Jahren eine Exzellenzcluster-Initiative. Die meisten dieser Cluster wurden im Einzugsgebiet der Hauptstadt Oslo gegründet.

Infrastruktur in Norwegen

Die Zahl der Ladeanschlüsse soll in Norwegen bis 2020 auf 25.000 steigen. Im Februar 2018 gab es davon 10.500. Der Ausbau sei ohne wesentliche Netzverstärkungen möglich, meinen Fachleute. So ist die Ladeinfrastruktur in den letzten Jahren erheblich gewachsen. Vor allem liegt das aber daran, dass inzwischen auch viele Betreiber ohne öffentliche Förderung neue Schnellladestationen bauen, insbesondere in den größeren Städten und entlang wichtiger Verkehrsachsen.

In Oslo hält der Ausbau des Ladesäulennetzes dennoch nicht Schritt mit der Entwicklung der Neuzulassungen. Im Hinblick auf die Ladesäulendichte je Einwohner liegen Norwegen und die Niederlande einsam an der Spitze. Norwegen verfügt aktuell über eine Anschlussdichte von knapp 200 pro 100.000 Einwohner. Die Niederlande kamen 2017 auf 192. In Deutschland lag die Ziffer bei 30.

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