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Analyse der Elektromobilität in sechs Nationen

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Elektromobilität in Japan

Nachfrage in Japan

Elektroautos werden in Japan kaum nachgefragt, Hybride erreichen indes hohe Absatzzahlen. Daran wird sich in den nächsten zwei bis drei Jahren wenig ändern, auch wenn im Logistiksektor ein steigendes Interesse an E-Nutzfahrzeugen zu beobachten ist. Die eigene Brennstoffzellentechnik soll gefördert werden, wobei die Olympischen Sommerspiele in Tokyo 2020 als Vermarktungsplattform dienen sollen.

Die "Japan Revitalization Strategy" von 2015 sieht vor, dass Autos „der nächsten Generation“ im Jahr 2030 einen Verkaufsanteil zwischen 50 und 70 Prozent erreichen. Dabei sollen Hybrid-Autos die dominante Rolle einnehmen. Am gesamten Pkw-Bestand machen HEVs mit circa 6,5 Millionen Einheiten über 10 Prozent aus. Für batterieelektrische Antriebe lag der Bestand Ende März 2017 bei 73.400 Pkw. Zu den wichtigsten einheimischen Anbietern von E-Autos gehören Toyota und Nissan. Toyota ist im Segment der Hybrid-Fahrzeuge der dominierende Akteur, während bei BEVs in Japan Nissan die Nase vorne hat.

Produktion in Japan

Durch die Einführung strikter Elektroautoquoten in China sehen sich auch die japanischen Autobauer gezwungen, ihre Strategien zu ändern oder zu beschleunigen. Toyota will hierfür mit FAW und Guangzhou kooperieren, um eine Palette von E-Autos zu entwickeln. 2030 sollen weltweit 5,5 Millionen (teil)elektrifizierte Pkw verkauft werden. Nissan arbeitet währenddessen mit Dongfeng zusammen. Beide haben im Februar 2018 angekündigt, mehr als 9,5 Milliarden US-Dollar in ihr Joint Venture zu investieren. Im Jahr 2022 wird mit einer Produktion von 2,6 Millionen Fahrzeugen gerechnet, von denen rund 30 Prozent E-Autos sein sollen. Mitsubishi will sich hingegen aus der BEV-Eigenentwicklung zurückziehen und ist mit Renault-Nissan eine Kooperation eingegangen.

Während die japanische Entwicklungsstrategie für E-Autos ausländische Absatzmärkte im Blick hat, wird für das Inland an der Brennstoffzelle gearbeitet. Die Regierung unterstützt dies mit der "Strategic Roadmap for Hydrogen and Fuel Cells". Diese sieht 2020 etwa 40.000 zugelassene Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb auf Japans Straßen vor. Das Ziel für 2025 lautet über 200.000 und zehn Jahre später über 800.000 Einheiten. Bei der Entwicklung von Brennstoffzellen-Fahrzeugen stehen in Japan zwei Firmen an vorderster Front: Toyota und Honda. Beide haben bereits ein Modell im Angebot. Zudem hat Toyota einen Wasserstoff-Bus entwickelt, der in Tokyo eingesetzt wird.

Infrastruktur in Japan

Die Zahl der Ladestationen soll in den nächsten Jahren massiv ausgebaut werden. Die Akzeptanz der Elektromobilität in Japan ist vor allem eine Frage des Preises, ebenso wie der Infrastruktur und Praktikabilität. Bis 2025 sollen landesweit zudem 320 Wasserstofftankstellen aufgebaut werden. Ende des Fiskaljahrs 2016 lag die Zahl bei 92, die Zahl der Fahrzeuge selbst bei ca. 1.800. Allerdings sind Wasserstofftankstellen mit Aufwendungen von bis zu 4,4 Millionen US-Dollar deutlich teurer als eine herkömmliche Kraftstofftankstelle.

Die Ladeinfrastruktur sowohl für den Elektro- als auch für Brennstoffzellenantrieb wird bislang hauptsächlich aus öffentlichen Mitteln finanziert. Die Zahl der öffentlichen Ladestationen lag Ende 2016 bei 27.800. Darunter waren über 7.500 Schnellladepunkte. In den nächsten Jahren soll der Ausbau von privaten Akteuren stärker unterstützt werden. Um die allgemeine Ladeinfrastruktur auszubauen, arbeitet das Ministry of Economy, Trade and Industry daran, die Bestimmungen für den Betrieb von Tankstellen zu ändern, damit auch normale Tankstellen Ladestationen errichten dürfen.

Interessanter Seitenblick: Da der Kraftstoffbedarf in Japan jährlich um ein bis zwei Prozent sinkt, ist die Zahl der Tankstellen auf knapp 31.500 Stationen zurückgegangen. Vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele.

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