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Analyse der Elektromobilität in sechs Nationen

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Norwegen verfügt aktuell über eine Anschlussdichte von knapp 200 Ladesäulen pro 100.000 Einwohner. Die Niederlande kamen 2017 auf 192. In Deutschland lag die Ziffer bei 30.
Norwegen verfügt aktuell über eine Anschlussdichte von knapp 200 Ladesäulen pro 100.000 Einwohner. Die Niederlande kamen 2017 auf 192. In Deutschland lag die Ziffer bei 30. (Bild: Clipdealer)

Die Elektromobilität setzt sich immer stärker durch und zwingt eine ganze Branche zur Transformation. Doch wie entwickeln sich die einzelnen Märkte hinsichtlich Nachfrage, Produktion und Infrastruktur? Eine Sechs-Nationen-Analyse.

Wer kauft Elektroautos, wer Hybride und wer Brennstoffzellenfahrzeuge? Mit welchen Barrieren sehen sich die Anbieter konfrontiert? Wer sind die entscheidenden Player? In welchen Ländern stehen größere Investitionen in Produktion und Infrastruktur an? Wo sind die Standorte der Zukunft? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich Germany Trade & Invest und hat hierzu die Entwicklungen in 15 Ländern auf drei Kontinenten untersucht. Wir haben uns die Studie angesehen und sechs interessante Märkte zusammengefasst. Bewusst ausgegliedert wurden Deutschland und China.

Elektromobilität in den USA

Nachfrage in den USA

Für Autofahrer im Flächenland USA ist Reichweite ein entscheidender Faktor, zudem sind fossile Treibstoffe äußerst preiswert. Die Folge: Autos mit Verbrennungsmotor liegen in der Käufergunst klar vorne. Dank sinkender Akkupreise ist mittelfristig aber mit einem Durchbruch von vollelektrifizierten Modellen zu rechnen. Hybridfahrzeuge erfreuen sich bereits jetzt, einer im Verhältnis zu den BEV, nicht unerheblichen Beliebtheit. An den Gesamtverkäufen hatten Hybridmodelle 2017 einen Anteil von 2,1 Prozent. E-Autos brachten es auf 0,6 Prozent. Branchenprimus war und ist Toyota. Die Japaner verkaufen in den USA jährlich 200.000 Hybride (HEV) und 21.000 Plug-In-Hybride (PHEV). Das entspricht einem Marktanteil von 60 bzw. 24 Prozent. Toyota hat allerdings bisher kein reines Elektromodell vorgestellt. Laut Toyota-Boss Akio Toyoda soll sich das nur minimal ändern. Der Fokus liegt bis mindestens 2030 weiter bei Hybridmodellen.

Flottenmanager bevorzugen jedoch vorerst den Verbrennungsmotor. Dabei spielen sowohl die Reichweite als auch die Anschaffungskosten eine Rolle. Aufgrund von Skaleneffekten bei der Massenfertigung sinken die Herstellungskosten von E-Fahrzeugen aber bereits spürbar. Zwischen 2010 und 2017 sind die Preise von Lithium-Ionen-Akkus um 73 Prozent gesunken. Ab 2022 sollen E-Autos die preiswertere Anschaffung darstellen. Generell weisen die Absatzprognosen für den Elektroantrieb in den USA in sämtlichen Fahrzeugklassen nach oben. Bei BMW, Mercedes und VW soll das Wachstum bis 2025 rasant ausfallen. Das Trio peilt einen E-Anteil am firmeneigenen Absatz von jeweils rund 20 Prozent an. Dagegen rechnen die Konkurrenten aus Asien mit zwei bis sechs Prozent.

Produktion in den USA

Milliardensummen werden von den US-Autobauern in die Entwicklung neuer Antriebsvarianten investiert. Sie reagieren damit auf Chinas Ankündigung, in wenigen Jahren Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nicht mehr zuzulassen. Da 30 Prozent der globalen Gesamtproduktion im Reich der Mitte abgesetzt werden, muss technologisch Schritt gehalten werden. Für zusätzlichen Anpassungsdruck sorgen die USA selbst. Einige Bundesstaaten verschärfen ihre Emissionsbestimmungen. Zudem wird der Kauf von Elektro- und Hybridfahrzeugen steuerlich gefördert.

Als Vorreiter der US-Autobauer positioniert sich Tesla. Mit dem Model 3 soll der Sprung in den Massenmarkt gelingen. Nach Unternehmensangaben hat Tesla 2017 insgesamt 76.000 E-Autos gebaut. Im Jahr 2018 sollen es 100.000 werden. An Interessenten mangelt es jedenfalls nicht: Weltweit liegen ca. 450.000 Bestellungen vor. Der Erfolgsdruck ist enorm, auch weil das Model 3 über vier Milliarden US-Dollar an Entwicklungskosten verschlungen hat. Konkurrent General Motors wildert zudem mit seinem Chevrolet Bolt im Revier des Model 3. Bis 2022 will GM insgesamt 20 batteriebetriebene Fahrzeugmodelle präsentieren. Bei Ford werden Partnerschaften geschlossen und Allianzen geschmiedet. Geld in die Kassen soll das Modell E spülen, das ab 2020 in den Verkaufsräumen steht. Produziert werden bereits die Modelle Focus Electric, der C-Max Energi sowie der Fusion Energi.

Der dritte US-Konzern Fiat Chrysler Automobiles (FCA) produziert seinen Minivan Pacifica auch als Plug-In-Hybrid-Variante und die Konzernmarke Fiat steuert den 500e bei. Generell hält sich der FCA-Konzern bei der Elektromobilität jedoch spürbar zurück. Auch Nissan produziert E-Autos in den USA. Der jährliche Absatz des Leaf II soll sich in absehbarer Zeit bei 40.000 bis 60.000 einpendeln. Volkswagen möchte unterdessen seinen I.D. Crozz in den USA fertigen, ohne bislang aber einen konkreten Standort zu nennen. Das Werk in Chattanooga (Tennessee) gilt als Favorit. Mercedes wiederum wird im Werk Tuscaloosa in Alabama einen Elektro-SUV von den Bändern rollen lassen. Wann die Produktion beginnt ist noch ungeklärt.

Infrastruktur in den USA

In den USA sind Ladestationen regional extrem ungleich verteilt. An der Westküste, entlang der Highways und in Großstädten findet sich die höchste Konzentration. Eine der bekanntesten Initiativen ist die "West Coast Electric Highway", zu der sich die Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien zusammengeschlossen haben. Alle 40 bis 80 Kilometer kann auf dem Highway Strom getankt werden. Die Finanzierung erfolgt aus privaten und öffentlichen Quellen. Auch Tesla hat an 375 Orten Ladestationen errichtet. Von einer zur nächsten Tesla-Station sind im Schnitt ca. 100 Kilometer zu überwinden. Die Zahl der Ladestationen will Tesla daher mittelfristig verdoppeln. Nach Angaben des U.S. Department of Energy existieren landesweit circa 16.000 öffentliche und 3.000 private Ladesäulen. Zum Vergleich: Besitzern von Benzin- und Dieselfahrzeugen stehen rund 112.000 Tankstellen mit bis zu 30 Zapfsäulen zur Verfügung. Besserung ist aber in Sicht: VW hat sich im Zuge der Diesel-Affäre verpflichtet, innerhalb von zehn Jahren zwei Milliarden US-Dollar in den Ausbau des Ladenetzes zu investieren.

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Hallo, selbstverständlich haben wir Deutschland nicht abgehakt. Aber über Deutschland und auch...  lesen
posted am 29.03.2018 um 07:39 von BK

Es wäre interessant, auch mehr über China (die meisten Autos!) und Korea (ein anderes wichtiges...  lesen
posted am 28.03.2018 um 20:50 von Unregistriert

Dem kann ich nur unwidersprochen zustimmen. Eine Zumutung sich einen Überblick zu verschaffen. Der...  lesen
posted am 28.03.2018 um 20:22 von Unregistriert

Das mag ja ein schöner Artikel sein. Aber es fehlt eine vernünftige grafische Aufbereitung. Wer...  lesen
posted am 28.03.2018 um 16:13 von Unregistriert


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