Suchen

Aktuelle Herausforderungen an die Logistikbranche

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Verkehrsforscher gingen der Frage nach, ob und in welchem Umfang die politischen Maßnahmen und ökonomischen Auswirkungen des Covid-19-Virus einen Einfluss auf die Transport- und Logistikprozesse haben.

Firma zum Thema

Welche Auswirkungen sich auf die Wertschöpfungsketten aufgrund fehlender Lieferungen aus China ergeben, wird sich frühestens in ein bis zwei Wochen bemerkbar machen, da sich derzeit noch Containerschiffe mit Waren auf dem Weg nach Deutschland befinden.
Welche Auswirkungen sich auf die Wertschöpfungsketten aufgrund fehlender Lieferungen aus China ergeben, wird sich frühestens in ein bis zwei Wochen bemerkbar machen, da sich derzeit noch Containerschiffe mit Waren auf dem Weg nach Deutschland befinden.
(Bild: DLR )

Während sich in vielen Bereichen ein Rückgang des Transportaufkommens abzeichnet, brachte die Umfrage auch positive Effekte in Krisenzeiten hervor: So zeigt sich insbesondere, dass die nationalen Logistiknetzwerke weiterhin stabil sind. Dienstleister im städtischen Lieferverkehr freuen sich darüber, dass es keine Staus mehr gibt, auch nicht in den Spitzenzeiten. Auch das Miteinander zwischen Dienstleistern und Empfängern ist einfacher geworden. So berichten Logistik-Unternehmen, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Handel besser gestaltet als vor der Krise: Die Kunden werden flexibler und sind gesprächsbereiter. Wenn Anlieferungen sich verzögern, werden sie auch am nächsten Tag noch angenommen. So etwas war vor der Krise nicht denkbar.

Darüber hinaus verhalten sich die Unternehmen nicht abwartend, sondern reagieren aktiv auf die veränderte Situation. So werden beispielsweise Lieferkonzepte angepasst: Geliefert werden manche Konsumwaren nicht mehr über das Zentrallager des Einzelhandelskonzerns, sondern die Waren kommen direkt vom Hersteller in die Filialen. Lieferfristen und Zeitfenster werden nur noch taggenau geplant und vereinbart. Langfriststrategien und Konkurrenzgehabe sind derzeit nicht relevant. Qualifiziertes und umsichtig handelndes Personal wird zum Schlüsselfaktor für eine funktionierende Logistik. Die Branche rückt in der Krisenzeit zusammen, findet neue und flexible Lösungen für die Warenlieferung und setzt diese kooperativ um.

Personalverfügbarkeit stellt die größte Herausforderung dar

"Dennoch ist der Mensch der kritische Faktor, von dem letztlich das System abhängt", sagt DLR-Wissenschaftler Gernot Liedtke. So stellt die Verfügbarkeit von Fahrern und Lkw für die Logistiker flächendeckend eine große Herausforderung dar. Fahrer und Fahrzeuge stehen dem deutschen Transportmarkt nach und nach weniger zur Verfügung, da sie aufgrund von Quarantänemaßnahmen nicht mehr aus Polen zurückkehren können. "Es ist daher nicht auszuschließen, dass dies in wenigen Tagen oder Wochen zu Ausfällen in den Transport- und damit den Logistikketten führt", ergänzt der Berliner Verkehrsforscher. Ein zusätzliches Problem liegt in der nachlassenden Pünktlichkeit im Lieferverkehr. Gerade bei grenzüberschreitendem Verkehr verzögern Kontrollen die Lieferzeit.

Dem derzeit höheren Frachtaufkommen im Lebensmittelbereich und der Notwendigkeit für ständiges Umplanen aufgrund verzögerter Ankünfte internationaler Lkw-Fahrten stehen in vielen Unternehmen eine sinkende Personalverfügbarkeit gegenüber. Dies verursacht zusätzlichen Stress bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zudem wächst insgesamt die psychische Belastung deutlich: Es gibt kaum noch reibungslose Routine-Abläufe.

Neue Konzepte in der Kurier-, Express- und Pakete-Logistik sind gefragt

Spezifischen Herausforderungen sieht sich der Bereich der Kurier-, Express- und Pakete-Logistik ausgesetzt: So wird zum einen überlegt, zusätzliche Dienstleistungen für Apotheken, Gesundheitsämter, Krankenhäuser und andere Einrichtungen im Gesundheits- und Pflegewesen anzubieten. Zum anderen ist eine Umstellung auf kontaktloses Zustellen erforderlich, das auf die Unterschrift als Zustellungsbestätigung verzichtet. Zu diesem Zweck werden nun Konzepte zu "unbemannten" Übergaben entwickelt und getestet.

Insgesamt ist die Nachfrage in der Kurier-, Express- und Pakete-Logistik stark zurückgegangen, im urbanen Raum sogar eingebrochen. Grund hierfür ist die Schließung vieler Büros und Arbeitsplätze von Unternehmen und die Verlagerung auf Home-Office Tätigkeiten, welche auch mit der Schließung der Kita- und Schuleinrichtungen einherging. Dies ließ von einem Tag auf den anderen die Nachfrage um 20 Prozent zurückgehen. Nur in den ersten Tagen der vergangenen Woche gab es zunächst noch einen gewissen Ausgleich des Rückgangs, da Mitarbeitenden das Home-Office-Equipment zugestellt werden musste.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46477142)