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Airbus Maveric: „Nurflügler“-Design für sparsameren Flugbetrieb

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Airbus hat sein Konzept Maveric vorgestellt. Das „Blended Wing Body“-Design soll dabei den Treibstoffverbrauch erheblich reduzieren und durch eine neue Kabinenanordnung den Komfort erhöhen. Bei der Entwicklung sah sich das Projekt-Team aber auch mit Skepsis konfrontiert.

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Im Juni 2019 hob der Demonstrator erstmals ab. Seitdem läuft die Flugtestkampagne und wird bis zum Ende des zweiten Quartals 2020 fortgesetzt.
Im Juni 2019 hob der Demonstrator erstmals ab. Seitdem läuft die Flugtestkampagne und wird bis zum Ende des zweiten Quartals 2020 fortgesetzt.
(Bild: Airbus)

Die konventionelle Rohrkonfiguration mit flügelgetragenen Triebwerken: Es ist jene Flugzeugform, die sich seit Jahrzehnten bewährt hat. Doch schon bald könnten sich die Passagiere in einem Flugzeug wiederfinden, das nicht mehr so aussieht wie die, die heutzutage auf den Flughäfen starten und landen.

Das Design - bekannt als „Blended Wing Body“ - ist eine Abkehr von der traditionellen Flugzeugarchitektur. Tatsächlich ist das Design so radikal, dass selbst einige Airbus-Ingenieure zu Beginn nicht an das Potenzial glaubten. „Anfangs haben viele das Maveric-Projekt als bloßes Hobby abgetan. Oder mit anderen Worten, als ein Projekt, von dem Airbus nicht viel lernen würde“, erklärt Adrien Bérard, Co-Projektleiter. „Also mussten wir ihnen das Gegenteil beweisen, indem wir zeigten, dass wir eine sehr solide Grundlage für die zukünftige Flugzeugkonfiguration liefern können.“

Und das zehnköpfige Projektteam, das zum Flight-Lab-Team von Airbus UpNext in Toulouse gehört, hat genau das getan. In weniger als drei Jahren entwickelte sich das Konzept von einer einfachen Skizze über ein computergeneriertes 3D-Modell zu einem Flugzeug-Demonstrator. Mit einer Länge von 2 Metern und einer Breite von 3,2 Metern ist Maveric ein relativ kleiner Demonstrator. Mit dem Prototyp will Airbus vor allem das Verständnis der neuen Flugzeugkonfigurationen beschleunigen und die für das Fliegen eines so radikal anderen Flugzeugs erforderliche Technologieanforderungen ausloten.

Tatsächlich wurde der Maveric-Demonstrator mit der gleichen Präzision wie andere Airbus-Flugzeuge gebaut. Beispielsweise wurden am Airbus-Standort Filton in Großbritannien Windkanaltests zur Überprüfung der aerodynamischen Eigenschaften durchgeführt. Im Juni 2019 erhob sich der ferngesteuerte Demonstrator zum ersten Mal in den Himmel. Eine besondere Herausforderung sei dabei die Bewertung der Langsamflug- und Überziehungsdynamik gewesen. Bei künftigen Tests werden Aspekte wie die Flugeigenschaften, die Flugsteuerung oder die Modularität analysiert.

Im Vergleich zu den aktuellen Modellen mit identischem Triebwerk, könnte mit dem Maveric-Modell der Kraftstoffverbrauch um bis zu 20 Prozent gesenkt werden. Zusätzlich soll auch die Integration verschiedener anderer Antriebssysteme möglich sein. Darüber hinaus wird erwartet, dass der Lärm dank eines „abgeschirmten“ Motors, der über dem Zentralkörper montiert ist, deutlich reduziert wird.

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„Obwohl es keinen spezifischen Zeitplan für die Inbetriebnahme gibt, könnte dieser Demonstrator dazu beitragen, Veränderungen in der Architektur von Verkehrsflugzeugen für eine ökologisch nachhaltige Zukunft der Luftfahrtindustrie zu erreichen“, erklärt Airbus Entwicklungsleiter Jean-Brice Dumont.

Neben der Aerodynamik und dem Antrieb beschäftigt sich Airbus auch mit Frage, wie das Flugerlebnis für die Passagiere verbessert werden könnte. Ein „Blended Wing Body“-Design ermöglicht im Vergleich zu einem „Single-Aisle-Modell“ (Flugzeug mit nur einem Kabinengang) eine Kabinenanordnung, die den Passagieren unter anderem zusätzliche Beinfreiheit zukommen lässt. Ein Nachteil bei der Kabinengestaltung ist die eingeschränkte Möglichkeit, Fenster anzubringen.

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