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70 Jahre BRD – Wie Autos das Wirtschaftswunder in Fahrt brachten

| Autor / Redakteur: Wolfram Nickel / Benjamin Kirchbeck

Chronik der Meilensteine

1944 – Schon während des Zweiten Weltkriegs beginnen Automobilhersteller mit der Vorbereitung neuer Modelle für die Nachkriegsproduktion. Ford Köln versenkt Schiffe mit Fahrzeugteilen im Rhein, um deren Zerstörung bei Bombenangriffen zu verhindern und die Fahrzeugfertigung nach Kriegsende rasch wieder anlaufen zu lassen. Peugeot startet die Entwicklung des Modells 203, das als Einheitsmodell die Typen 202 und 402 ablösen soll. Louis Renault stirbt, aber das von ihm lancierte Kleinwagenprojekt Renault 4 CV wird von der nach Kriegsende verstaatlichten Regie Renault vorangetrieben. In England wird die Entwicklung des von Alec Issigonis konzipierten Kleinwagens Morris Minor finalisiert und bei der britischen Marke Austin beginnen die Planungen für einen neuen Kleinwagen, den A 40. Volvo präsentiert den PV 444 als erstes erschwingliches Fahrzeug aus schwedischer Produktion auf einer Automobilausstellung in Stockholm und die Geschäftsführung des Flugzeugherstellers Saab entscheidet sich für die Fertigung von Autos.

1945 – Am 25. Mai wird aus der für die Herstellung des VW Käfer gebauten KdF-Stadt die Stadt Wolfsburg. Das VW-Werk steht nun unter der Leitung des britischen Majors Ivan Hirst und beginnt im Dezember 1945 auf Anordnung der britischen Militärregierung mit der Produktion des VW Typ 1. Ebenfalls nur wenige Monate nach Kriegsende startet am 1. November auf Befehl des Marschalls der Sowjetunion, Georgi Shukow, die Fertigung des Vorkriegsmodells BMW 321 in der „Eisenacher Fahrzeug- und Maschinenfabrik, vormals BMW“. Der Eisenacher BMW 321 wird auch in den westlichen deutschen Besatzungszonen verkauft. Das Porsche-Werk in Gmünd erhält am 8. August von der alliierten Militärregierung eine Betriebserlaubnis zur Entwicklung ziviler Geräte wie Traktoren und Motorfahrzeugen. Ferdinand Porsche und Ferry Porsche werden von den Alliierten verhaftet. Ende Mai, also unmittelbar nach Kriegsende, erhält Carl F.W. Borgward von den Amerikanern einen Produktionsauftrag für Lkw. Ende des Jahres wird Borgward jedoch verhaftet und bleibt bis 1946 inhaftiert. Im Herbst wird trotz weitgehend zerstörter Produktionsanlagen die Fertigung des Skoda 1101 aufgenommen und das Unternehmen verstaatlicht

1946 – Ab Juni werden Mercedes 170 als Pritschenwagen, Kastenwagen und Krankenwagen für behördliche Nutzung gebaut. Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) befiehlt am 7. Juli den Start der Fahrzeugproduktion in den Zwickauer Horch-Werken. Am 15. Juli laufen bei Opel in Rüsselsheim die Fließbänder nach kriegsbedingter Unterbrechung wieder an. Erstes Automobil ist der Opel Blitz 1,5 to. Am 14. Oktober wird der 10.000ste Volkswagen produziert. Im Dezember läuft in der damaligen Sowjetunion der Opel Kadett als Moskwitsch 400 an. Diese Opel-Produktionslinie war als Reparationsleistung geliefert worden. Premiere und Vorserienanlauf des Renault 4 CV, der auch in der französischen Besatzungszone in Deutschland vertrieben wird. Der englische Standard Vanguard wird vorgestellt in wegweisender Pontonform und ab dem Folgejahr auch in Deutschland eines der populärsten Importmodelle.

1947 – Die Auslieferung des ersten Volvo PV 444 erfolgt am 3. Februar; insgesamt liegen Volvo für dieses Modell bereits 10.000 Bestellungen vor. Am 10. Juni findet die Pressevorstellung des Saab 92 statt. Am 11. Juni startet bei Porsche in Gmünd/Österreich das Projekt Porsche 356 „VW-Sportwagen“ mit luftgekühltem Vierzylinder-Boxermotor. Im Juli läuft mit dem 170 V bei Mercedes-Benz die zivile Pkw-Produktion wieder an. Zunächst nur als Limousine und nur in schwarzer Lackierung. Die Werkzeuge für alle anderen Karosserien sind im Krieg zerstört worden. Im Oktober feiert Mercedes die Auslieferung des 1.000sten Fahrzeugs vom Typ 170 V. Schon seit März läuft der für den Mercedes 170 vorgesehene Oel-Motor OM 636 (Diesel) im Unimog, der im März 1949 in Serie geht. Am 25. Juli erteilen die Besatzungsbehörden Opel die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Pkw-Produktion. Das Vorkriegsmodell Opel Olympia wird bis 1949 in 25.952 Einheiten gebaut. Der erste deutsche Sechszylinder im Nachkriegsdeutschland ist der Opel Kapitän, ebenfalls als Fortführung des Vorkriegsmodells und dies zunächst ausschließlich als viertürige Limousine. „4 Plätze, 4 Zylinder, 90 km pro Stunde, 6 Liter auf 100 km“, verheißt die erste Werbekampagne für den Renault 4 CV, die passend zum Start der Großserienfertigung am 12. August aufgelegt wird. Schon seit 1929 besitzt der italienische Fiat Konzern durch die Übernahme des Heilbronner NSU-Werkes eine Produktionsstätte in Deutschland. Die eigens gegründete NSU Automobil AG startete damals mit dem Fiat 508 Balilla, in Deutschland vermarktet als NSU-Fiat 1000. Ab 1947 hat das inzwischen in Fiat Automobil AG umbenannte Unternehmen seinen Sitz in Heilbronn.

1948 – Im März unternimmt Ferry Porsche die erste Probefahrt mit dem 356, Nummer 1. Als Geburtstag des Serien-Porsche 356 gilt der 8. Juni, denn an jenem Tag erteilt die Kärntner Landesregierung eine Zulassungsgenehmigung. Im Mai läuft der 25.000ste Volkswagen vom Band. Die Besatzungsmächte heben in Deutschland im Oktober die Vorschrift auf, wonach nur Pkw mit unter 1,5-Liter-Hubraum gebaut werden dürfen. Auf der Exportmesse in Hannover zeigt Ford den ersten Prototypen eines Nachkriegs-Taunus. Am 1. Oktober Produktionsanlauf des Taunus mit Detailmodifikationen im Interieur und an Technik, jetzt unter dem internen Code G73A. Im Juli wird Carl F.W. Borgward im Entnazifizierungsverfahren als Minderbelasteter bewertet. Borgward darf seine Werke wieder betreten. Im August Gründung der „Goliath Werk GmbH. In Genf feiert der Fiat 500 B Topolino Premiere, in Turin im September auch als kleiner Familienkombi Giardiniera Belvedere. Auf der Londoner Earls Court Motorshow debütiert der Morris Minor. Auf dem Pariser Salon debütiert die Serienversion des Citroen 2 CV. Nebenan steht der neue Peugeot 203. Der Renault 4 CV ist ab sofort auch als Lieferwagen Commerciale und mit Faltverdeck verfügbar.

1949 – Die Ära der Bonner Republik beginnt und es kommt zur Deutschen Teilung. Am 8. Mai verabschiedet in Bonn der Parlamentarische Rat das Grundgesetz, das von den Militärgouverneuren der britischen, amerikanischen und französischen Besatzungszone genehmigt wird. Am 23. Mai um Null Uhr tritt das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Die Machthaber in der Sowjetischen Besatzungszone gründen am 7. Oktober die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Die Nürburgring-Nordschleife wird wiedereröffnet. Regionale deutsche Automobilausstellungen werden im ersten Jahr überall in der Bundesrepublik populär, so gibt es die Westdeutsche Motorschau in Rheydt und in Reutlingen findet eine Messe statt, bei der zahlreiche Ingenieure Eigenentwicklungen vorstellen und den Konzernen anbieten. Die Zahl der Autos in der Bundesrepublik nimmt zu. Ein Auto kommt auf 70 Einwohner (zum Vergleich: 1939 war das Verhältnis 1:21 und 1960 ist es 1:7).

Am 20. Mai enthüllt Daimler-Benz auf der Technischen Exportmesse Hannover den Diesel-Pkw Mercedes 170 D (W 136 I) mit 1,7-Liter-Diesel. Das erste Kundenfahrzeug wird am 1. August ausgeliefert. Exportbeginn des Volkswagen Käfer von den Niederlanden aus in die USA. Am 1. Juni erfolgt die Präsentation des Volkswagen „Export-Modells" mit umfangreicherer Innenausstattung und zusätzlichen Chromelementen. Karmann karossiert das viersitzige VW Cabriolet Typ 15. Nach nur 51 Wochen Entwicklungszeit wird der VW Transporter am 12. November 1949 der Presse vorgestellt. Der Opel Olympia wird als Kombi- bzw. Kastenwagen und Lieferwagen eingeführt. Der Beginn einer Kombi-Tradition, die vom 1953 lancierten Olympia Rekord fortgesetzt wird. Als Opel Caravan wird der Kombi gesellschaftsfähig. Immerhin 7.820 Opel Kapitän rollen im Jahr der Gründung der Bundesrepublik Deutschland vom Band im Opel Werk Rüsselsheim. Der Kapitän-Vertrieb erfolgt jetzt auch an Privatkunden und auch der Export läuft an. Mit dem Stuttgarter Karosseriewerk Reutter kommt es zu einer Kooperation über die Produktion von Porsche-Sportwagen. Das erste Cabriolet vom Typ 356, versehen mit einem Aufbau des Schweizer Karosseriebauers Beutler, wird im Februar fertig gestellt. Zusammen mit einem 356 Coupé präsentiert Porsche die Sportwagen auf dem Genfer Salon. Im Februar durch Borgward Gründung „Lloyd Maschinenfabrik GmbH“, ab Dezember 1950 Firmierung als „Lloyd Motoren-Werke“.

Im November 1949 Gründung der Carl F.W. Borgward GmbH, Automobil- und Motoren-Werke. Vorstellung und Markstart des Hansa 1500 als erster deutscher Pontonlimousine. Der Borgward Lastwagen B 1250 geht in Serie, außerdem das Goliath GD 750 Dreirad. Neu sind außerdem der Kleinwagen Gutbrod Superior und der Tempo Matador Eintonner. Der Kabinenroller Fend Flitzer 100 geht in Produktion als Vorläufer des Messerschmitt Kabinenrollers. Renault kommt zurück nach Deutschland. Neugründung in Baden-Baden als Renault Automobilgesellschaft für Deutschland mbH. Ford erzielt 10,1 Prozent Marktanteil in Deutschland. Skoda erzielt in Deutschland mit Pkw und Lieferwagen des Typs Skoda 1101 mit 1,1-Liter-Vierzylinder Erfolge und präsentiert nun das Modell 1102 als Weiterentwicklung. Die tschechischen Tatraplan erzielen Verkaufserfolge, weil sie kurzfristig lieferbar sind. Im ehemaligen Zwickauer Audi-Werk läuft die Produktion des Zweitakt-Vorkriegsmodells DKW F8 an, gefolgt vom größeren DKW-Modell F9. Beide mit den Auto-Union-Ringen auf dem Kühlergrill. Schon 1947 startete im Westen in Ingolstadt die neu gegründete Auto Union GmbH, so dass es bis in die 1950er Jahre bauähnliche Zweitakter von IFA und DKW gibt. In Ingolstadt läuft der DKW Schnelllaster vom Band. Der aufgefrischte Fiat 500 C geht in Deutschland und Italien in Produktion. Produktionsstart des Saab 92 und Verkaufsstart des Rover 75 P4 in Deutschland

1950 – Wohnungsbau hat bis 1955 Vorrang vor Straßenbau und Instandhaltung, so dass vorläufig weiterhin 46 Prozent der Bundesstraßenkilometer und 70 Prozent der Landstraßenkilometer in einem „nicht ordnungsgemäßen“ Zustand sind. Mehr als zwei Million Kfz sind in der Bundesrepublik zugelassen, drei Jahre später sind es bereits vier Millionen und 1960 dann acht Millionen. Der Bundesrat lehnt die Einführung einer Autobahngebühr und höhere Steuern auf Benzin und Diesel ab, stattdessen werden alle sonstigen Mineralölprodukte besteuert. Lloyd LP 300 Kleinwagen, im Volksmund Leukoplastbomber genannt, geht in Serie. Produktionsstart für den Goliath GP 700, Lloyd und Goliath sind die ersten Volumenmodelle von Borgward. Am 8. März 1950 läuft in Wolfsburg der erste Transporter T1 („Bulli“) mit 18 kW/25 PS leistendem 1,1-Liter-Vierzylinder vom Band. Bis Jahresende werden 8.112 Kastenwagen und Kleinbusse gebaut. Der Transporter Kastenwagen kostet nur 5975 Mark und ist damit vergleichsweise erschwinglich für Handwerker und Firmen. Erstes Nachkriegstopmodell von Renault und Konkurrent des Kapitän wird der Frégate. Nach einer 1940 erfolgten Zwangsenteignung des in Köln produzierenden Unternehmens Citroen kommt es zu einem Neustart von Citroen in Deutschland, diesmal im Kölner Stadtteil Sülz und nicht mehr als Hersteller, sondern nur noch als Vertriebsunternehmen.

1951 – Am 1. April wird die staatliche Bewirtschaftung von Benzin und Diesel aufgehoben. Bundespräsident Theodor Heuss eröffnet die erste IAA in Frankfurt als Schaufenster des bundesdeutschen Wirtschaftswunders. Vorgestellt werden unter anderem die Oberklassetypen Mercedes 220 und BMW 501 sowie die von Bundeskanzler Konrad Adenauer genutzte Staatslimousine Mercedes 300. VW startet Export in 29 Länder. Im Oktober wird die Produktionsmarke von 250.000 VW Käfer erreicht.

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Ich vermute mal, dass der Autor im Osten Deutschlands aufgewachsen ist. Für einen Leser, der dem...  lesen
posted am 16.05.2019 um 19:30 von Unregistriert

Alte Erinnerungen werden wieder wach!  lesen
posted am 16.05.2019 um 15:40 von Unregistriert


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