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432,8 km/h im Jahr 1938: Ein Rekord (fast) für die Ewigkeit

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Mit dem W 125 Zwölfzylinder-Rekordwagen stellt Mercedes-Benz am 28. Januar 1938 den Geschwindigkeitsrekord auf einer öffentlichen Straße auf: 432,7 km/h erreicht er auf einem Kilometer mit fliegendem Start. Gebrochen wird der Rekord erst fast 80 Jahre später im November 2017.

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Rudolf Caracciola mit dem Mercedes-Benz Zwölfzylinder-Rekordwagen W 125 vor dem Flughafen in Frankfurt am Main.
Rudolf Caracciola mit dem Mercedes-Benz Zwölfzylinder-Rekordwagen W 125 vor dem Flughafen in Frankfurt am Main.
(Bild: Daimler )

Das Motorsportjahr 1937 läuft zunächst absolut vorzüglich für Mercedes-Benz: Die Marke gewinnt die Grand-Prix-Europameisterschaft. Das will sie mit einem ebenso fulminanten Geschwindigkeitsrekord ergänzen. Doch dieses Vorhaben misslingt. In der Rekordwoche von Frankfurt am Main im Oktober 1937 kann der Rekordwagen W 125 mit 5,6-Liter-V12-Motor die konkurrierenden Fahrzeuge der Auto Union nicht übertrumpfen.

Die Stuttgarter Marke zieht das Fahrzeug aus dem Wettbewerb zurück und beschließt, den Rekordwagen für einen nächsten Versuch umfassend weiterzuentwickeln. Innerhalb von nur acht Wochen bringen Rudolf Uhlenhaut, der technische Leiter der Rennabteilung, und Entwicklungsvorstand Max Sailer die notwendigen Arbeiten auf den Weg. Stattfinden wird die nächste Rekordfahrt am 28. Januar 1938.

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Die Vorgaben an die Ingenieure lauten: Fahrgestell und Motor modifizieren und eine völlig neue Karosserie entwickeln. Der Grund dafür ist vor allem ein zu großer Vorderachsauftrieb der Version von 1937, der zeitweise sogar zum Verlust der Lenkfähigkeit geführt hat.

Aerodynamik: Anregungen aus dem Flugzeugbau

Für die neue Karosserie erhält Mercedes-Benz wichtige Impulse aus der Flugzeugindustrie: Unter anderem aus den Entwicklungsabteilungen der Flugzeugwerke von Ernst Heinkel und von Willy Messerschmitt kommt die Empfehlung, den vorderen Überhang zu verkürzen und die Front runder zu gestalten. Zudem wird die Front weiter nach unten gezogen und läuft an der Spitze steiler aus. Das senkt wie erwünscht den Vorderachsauftrieb.

Ein längeres und stärker angehobenes Heck reduziert den Auftrieb an der Hinterachse. Außerdem wird der Querschnitt des Wagens stärker abgerundet, was die Seitenwindempfindlichkeit reduziert. Schließlich entsteht eine runde, dem Grundriss und Querschnitt eines Tropfens nachempfundene Cockpitverglasung.

Bisher hatte Rennfahrer Rudolf Caracciola, Europameister der Jahre 1935 und 1937, eine solche Scheibe wegen des Risikos der Sichtverzerrung ablehnt. Nun findet Mercedes-Benz gemeinsam mit einem Zulieferer eine optisch wie aerodynamisch befriedigende Lösung. Die konsequente Stromlinienform des Fahrzeugs wird zudem durch die verkleideten Radausschnitte betont.

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